springt, der Natur erstes und unvergängliches, lieblichstesund edelstes Gesetz wieder her — die Ungleichheitzwisch en Menschen und Menschen! Da ward vorden Gefangenen, Royalisten oder Sansculotten, achtungs-voll Platz gemacht dem Alter, der Gelehrsamkeit, derBerühmtheit, der Schönheit; und die Kraft und Stärke,mit der ihr angeborenen Ritterlichkeit, hob die Hülflosesund Schwachen zu einem gewissen Rang empor. Die eiser-nen Sehnen und die herkulischen Schultern machten Platzfür das Weib und das Kind; und die Grazien der Huma-nität, sonst überall verschwunden, suchten ihre Zufluchtin dem Wohnsitz des Schreckens.
»Und warum, mein Kind, bringen sie Dich hier-her?"' fragte ein alter grauköpfiger Priester.
„Ich kann es nicht errathen."
„Ha , wenn Ihr Euer Vergehen nicht wißt, so fürch-tet das Schlimmste!"
„Und mein Kind?" (Man hatte ihr das Kind awihrer Brust gelassen.)
„Ach, junge Mutter! Dein Kind werden sie lebe«lassen!"
„Und dafür — eine Waise im Kerker!" flüsterte dasanklagende Herz Viola's, „habe ich seinen Sprößlingaufgespart! Zanoni, o nicht einmal in Gedanken frage— o frage nicht, waS ich mit dem Kinde gemacht, daSich Dir gebar!"
Die Nacht kam; — die Gefangenen drängte» sich