Druckschrift 
6 (1842)
Entstehung
Seite
69
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6S

du Grauengestalt! und friedlich lächle wieder herab aufdas kindliche Herz, o azurner Himmel, mit DeinemAbend- und Morgenstern, die Eines find; doch unter demDoppelnamenErinnerung und Hoffnung!"

Bei diesen Worten legte Zanoni sanft seine Handauf die brennenden Schläfen seines aufgeregten und stau-nenden Zuhörers; und augenblicklich kam eine Art Ver-zückung über ihn; er wähnte in die Heimath seiner Kind-heit zurückgekehrt, und in dem kleinen Zimmer zu seyn,wo seine Mutter über seinem jugendlichen Schlummergewacht und gebetet hatte. Da war es sichtbar, greif-bar, einsam, unverändert. In einer Ecke das friedlicheBett, an den Wänden die mit heiligen Büchern ange-süliten Ständer; sogar die Staffelei, auf welcher er zuerstdas Ideale auf die Leinwand zu zaubern gesucht hatte^mit Staub bedeckt, zerbrochen, im Winkel. Unter demFenster lag der alte Kirchhof; er sah ihn grün in derEntfernung daliegen, und die Sonne schimmerte durch dieEibenbäume; er sah das Grab, wo Vater und Muttervereinigt ruhtey, und die Kirchthurmspitze, die zum Him-mel deutete, das Symbol der Hoffnungen derer, die dieAsche der Erde übergaben; in sein Ohr tönten die Glo-cken, läutend wie an einem Sonntag; weit weg warengeflohen alle Gesichte voll Angst und Grausen, die ihnverfolgt und gemartert hatten; Jugend, Knabenjahre,Kindheit kamen ihm zurück mit ihren unschuldigen Wün-schen und Hoffnungen; er glaubte auf die Kniee zu fallenzum Gebet. E erwachte erwachte in beglückenden