Druckschrift 
6 (1842)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

jeder Stunde mehr an. Tallien, der Macduff des demVerderben geweihten Macbeth, flüstert seinen blaffenVerschworenen Muth zu. Durch die Straßen rollen schwerund dumpf die Karren der Verurthetlten. Die Läden sindgeschlossen das Volk ist übersättigt mit Blut und willkeines mehr schlürfen. Und Nacht für Nacht strömen dieKinder der Revolution nach den achtzig Theatern, umüber die Spässe der Komödie zu lachen, oder empfind-same Thränen zu weinen über eingebildetes Weh!

In einem kleinen Zimmer, im Herzen der Stadt, sitztdie Mutter, wachend über ihrem Kinde. Es ist ruhige,glückliche Mittagszeit; das Sonnenlicht, sich brechend anden großen Dächern in der engen Straße, dringt dochdurch das offene Fenster herein, der unparteiische Spiel-genoffe der Lust, heiter in Tempel und Gefängniß, tmSagl und Hütte; so golden und so erfreulich, ob er derersten Stunde des Lebens zulacht, oder mit seinem mun-tern Zittern auf die Angst und das Entsetzen der letztenfalle! Das Kind, zu Viola's Füßen liegend, streckte seinerunden Händchen mit Grübchen aus, als wollte es diein dem Sonnenstrahl tanzenden Stäubchen Haschen. DieMutter wandte ihr Auge ab von dem Glanze er machtesie nur noch trauriger. Sie wandte sich weg undseufzte.

Ist das dieselbe Viola, die einst schöner blühte alsihre eigene Jdalie unter dem griechischen Himmel? Wieverwandelt! Wie blaß und abgezehrt!, Sie saß zerstreutda; die Arme sanken ihr auf die Kniee; das Lächeln, das