62
eines dahcrjagendcn Pferdes hörte; daSGetöse hörte auf;es wurde an die Thüre gepocht. Ihr Herz schlug ge-waltsam, aber die Furcht wich einem andern Gefühle, alssie eine ihr nur zu wohl bekannte Stimme ihren Namenrufen hörte. Sie besann sich, und dann mit der Furcht-losigkeit der Unschuld stieg sie hinab und riegelte die Thüreauf.
Zanoni trat ein mit leichtem, hastigem Schritte.Sein Reitermantel schloß sich seiner edel» Gestalt genauan; und sein breiter Hut warf einen tiefen Schatten übersein ehrfurchtgebietendes Gesicht.
Das Mädchen folgte ihm in das Zimmer, das sieeben verlassen, zitternd und tief erröthend, und stand vorihm mit der Lampe in der Hand, welche ihr Licht auf ihreWange warf, und mit den langen Haaren, welche wieein Lichtstrom über die halbentblösten Schultern und diesich hebende Büste fielen.
„Viola," sagte Zanoni mit einer Stimme, welchetiefe Bewegung verrieth, „ich bin wieder zu Dir gekom-men, um Dich noch einmal zu retten. Kein Augenblickist zu verlieren. Du mußt mit mir fliehen, oder das Opferdes Fürsten von-werden. Ich hätte gern die Ob-
liegenheit, die ich nun erfülle, einem Andern zugetheilt;Du weißt, ich wollte es, — aber er ist Deiner nicht Werth,der kalte Engländer! Ich werfe mich Dir zu Füßen; habeVertrauen zu mir und fliehe mit mir!"
Er ergriff leidenschaftlich ihre Hand, indem er auf-