32
„Schauspielerin, Ihr müßt mich höre» ! Wißt Ihr,was dieser Bühncnberuf in den Augen des VorurtheilS— das heißt der gemeinen Meinung der Menschen ist?Der: eine Prinzessin zu seyn vor den Lampen und eineParia ani Hellen Tage. Niemand glaubt an Eure Tu-gcno; kein Mensch traut Euren Bethenrnngen: Ihr seyddie Puppe, die sie gerne mit Jierrathcn behängen undansstatten zu ihrem Ergötzen, nicht ein Götterbild fürihre Verehrung. Sehd Ihr so verliebt in diese Lanfbah»,daß Ihr selbst den Gedanken an Sicherheit und Ehreverschmäht? Vielleicht seyd Ihr anders, als Ihr scheint.Vielleicht lacht Ihr über das Vvrurtheil, das Euchherabwürdigen möchte, und möchtet klüglich Vvrtheildaraus ziehen. Sprecht offen zu mir ; ich habe auch keineVorurtheile. Meine Holde, ich bin gewiß, wir taugten zu-sammen. Nun, dieser Fürst von-, ich habe eine
Botschaft von ihm. Soll ich sie anSrichtcn?"
Nie hatte Viola gefühlt, was sie jetzt fühlte; nie hattesic so offen alle Gefahren ihres preisgegebencn Standesund ihres fürchterlichen NnfeS überschaut. Nieot fuhrfort:
„Zanoni möchte sich bloS mit Deiner Eitelkeit belu-stigen; Glyndon würde sich selbst verachten, wenn er Dirseinen Namen anböte — und Dich, wenn Du ihn annäh-
mest; aber dem Fürsten von-ist es Ernst, und er ist
reich. Höre mich an!"
Nieot näherte seinen Mund ihrem Ohre und zi-schelte einige Worte, die sic ihn nicht ganz aussprechen