Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
11
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II

liegt, meine Seele, Stunde um Stunde, vor derselbenQuelle mit der Dcinigcn anbcten?"

In dem Garten meines Nachbars ist ein kleinerSpringbrunnen. Ich stand diesen Morgen nach Son-nenaufgang neben ihm. Wie er mit seinem leichtenSchaum in die Sonnenstrahlen aufsprang! Und danndachte ich, ich würde Dich heute auch wieder sehen, undso sprang mein Herz dem neuen Morgen entgegen, denDu mir vom Himmel bringst!"

Ich habe Dich wieder gesehen, Dir wieder zugc-hört. Wie kühn ich geworden bin! Ich fuhr heraus mitmeinen kindischen Gedanken und Geschichten, meinen Er-innerungen aus der Vergangenheit, als hätte ich Dichvon Kindheit an gekannt. Plötzlich ergriff mich das Be-wußtsein meiner Anmaßung. Ich stockte und suchte schüch-tern Dein Auge."

Nun, als Du fandest, daß die Nachtigall nicht sin-gen wollte?"

Ach!" sagte ich,was ist für Dich diese Geschichtedes Herzens eines Kindes ?"

Viola!" antwortetest Du mit jener so unaussprech-lich ruhigen und ernsten Stimme;Viola! die Dunkel-heit von einer Kindes Herz ist oft nur der Schatten ei-nes Sterns! Sprich weiter! Und Deine Nachtigall, alsman sie fing und cinspcrrte, wollte nicht mehr singen?"

Und ich stellte den Käfig dorthin unter das Re-

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