Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

in vollständiger Rüstung seinen einsamen Weg binzog.Sein Harnisch war schwarz und schmucklos, auf seinemHelm flatterte keine Feder. Aber in Gestalt und Hal-tung und der auffallenden Schönheit des kohlschwarzenPferdes lag etwas, was auf höheren Rang zu deutenschien, als, bei der Abwesenheit von Pagen und Knap-pen und der Schlichtheit des Anzuges, ein oberflächlicherBlick vielleicht bemerken mochte. Der Ritter ritt sehrlangsam und sein Hengst hielt, mit der Freiheit einesverzogenen Günstlings, unterwegs oft auf seinen, heißenPfade an, wenn ihn ei» Grasfleckehen oder der Zweigeines übcrhangcndcn Baumes lockte. Als er einmalso dastand, ließ sich ein Geräusch in dem benachbarten,die steile Bergwand bekleidenden Gebüsch hören; dasNüß fuhr zurück und wcckic den Wanderer aus tiefenGedanken. Mechanisch blickte er auf und sah die Ge-stalt eines Mannes mit schnellen, unregelmäßigenSchritten durch die Bäume Herabkommen. Die Ge-stalt paßte zu der Stille und Einsamkeit dcS Ortes,und hätte für einen jener strengen Klausner angc-sprochcn werden dürfe», die, halb Einsiedler, halbKrieger, während der Krcuzzüge ihr wildes Haus inden Sandflächen und Höhlen Palästinas aufschlugen.Der Unbekannte stützte sich auf einen langen Stab;Haar und Bart .hinge» ihm lang und wirr über diebreiten Schultern. Ein verrosteter Panzer, ehedemvon reichen Arabesken funkelnd, schützte seine Brust;das weite Gewand aber eine Art Waffcnrock, derunter dem Harnisch hervorsah war zerrissen, ja zcr-