598
Gothische Kirchen
Denkm. 6, 27— 30 u. 1 Taf.) — Die M agdale n e n k i r ch e'), recht-eckig basilikal, mit spätgoth. Kapellen besetzt. Die stämmigen kreuzför-migen ausgeeckten und an den Fronten mit abgekanteten Vorlagen verse-henen Pfeiler (Ltibke a. a. 0. Sp. 71) stehen im Schiff enger als im Chor,wo die Joche zwei Fenster haben. Das Maasswerk zeigt die spielendenFormen der Zeit gegen 1400. Am Aeusseren schwere Strebebögen undzum Theil Fialenstreben. Von den beiden innerlich auf starken Pfeilernruhenden mächtigen Westthürmen wurde der eine 1481 vollendet. Vergl.auch oben S. 452. — Die Sandkirche u. 1. Fr., 1330—1372, edelerHallenbau mit dreifachem Polygonalschlusse der drei gleich langen Schiffeund mit mehreren späteren Kapellenanbauten. Die rechteckigen ausgeeck-ten Pfeiler stehen in fast quadratischen Abständen, und die Fensterstellungund Gewölbeanordnung in den Seitenschiffen entspricht der Dorotheen-kirche. Das Mittelschiff hat Sterngewölbe. Das Fenstermaasswerk, in denwestlichen Theilen bereits entartet, zeigt in den östlichen noch klare For-men. Von den beiden, innerlich von Pfeilern getragenen Westthürmenwurde der eine 1430 erhöht. (Ltibke a. a. 0. Sp. 66 f.) — Von denminder bedeutenden übrigen Kirchen nennen wir: St. Bernardin, mitsehr niedrigen Seitenschiffen und einschiffigem Chor 1464, nach Einsturzder Gewölbe wiederhergestellt 1502; St. Vincenz, der vorgenanntenganz ähnlich, nach einem Brande von 1444; St. Matthias in einschiffigerKreuzform, Chor und Kreuzarme polygonisch geschlossen; etc. Vergl.Lotz 1, 112 ff.
Buckow bei ltathenow. Einschiffige rechteckige und ftachgedeckte Dorf-kirche edelgoth. Stils (erbaut um 1340) mit einem Sattelthurm, der aus derMitte der mit Spitzpfeilern geschmückten Westfront aufsteigt. Bemerkens-,wertli ist die Fensteranordnung, paarweise in Flachbogenblenden. (Adler,Bauwerke II. Bl. 80.)
Bützow bei Güstrow. Hallenkirche frühgoth. Stils mit Umgang derSeitenschiffe um den 1375 vollendeten dreiseitig geschlossenen Chor, dersich zu drei geräumigen Kapellen erweitert. Schiffpfeiler rhombisch, zumTheil mit Weinlaubcapitälen, Chorpfeiler polygonisch. Schönes Portal.(Essenwein, Backsteinbau Taf. 6 Fig. 9 f. u. Taf. 31.) Vergl. Lotz1, 133.
Brieg in Schlesien. Die Nicolaikirche mit niederen Seitenschiffen1370 — 1418. — Die Schlosskirche St. Hedwig, zum Theil 1368.
€ainmill. Das basilikale Langhaus des Domes (oben S. 452), als Fort-setzung der roman. Ostpartie, romanisirend frühgothisch in Doppeljochenüberwölbt: die stärkeren rechteckigen Hauptpfeiler, an den Ecken geglie-dert, steigen in halber Stärke an den Scheidmauern empor und wölben sichoben zur breiten Blende zusammen, während an ihrer Vorderseite einekräftige Halbsäule als Gurtträger angebracht ist. Die schwächeren Zwischen-pfeiler sind einfach achteckig. Die spätgoth. Giebelreihe über dem mitSterngewölben gedeckten siidl. Seitenschiff ist durch glänzende Nachbil-
I' Sc h m ei die r, J. V Herrn., Urkundl. Beiträge zur Gesch. der Hauptpfarrk.St. Maria-Magd, zu Breslau. 1848.