Baustil.
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Fig. 219. Petri-Paulikirche in Görlitz (nach Pnttrirh).
101. Spätgotliischer Stil (XV". und XVI. Jahrhundert): Esmachen sich allerlei willkürliche Neuerungen bemerklich, die in denPrincipien des Stiles nicht begründet, zuweilen jedoch nicht ohne lleizsind. Entweder übertriebene Schlankheit oder schwerer Charakter destrockenen oder überladenen Ganzen; Verflachung der Formen, Dis-harmonie der Theile. Vergl. Fig. 219—225.
Die stets oblongen Kirchen sind nur ausnahmsweise von basilikalerAnlage mit niedrigeren Seitenschiffen ; gewöhnlich erscheint das Haupt-schiff mit den Seitenschiffen als Hallenbau unter einer gemeinschaftlichenBedachung. — Bei grosser Nüchternheit des Pfeilerbaues ergeht sich diePhantasie des spätgothischen Meisters in reichen Gewölbeanlagen : ausden weitläufig gestellten achteckigen Pfeilern entspringen frei, oftohne Vermittelung von Gurtträgem und Kämpfern, die flach und grätig
gegliederten , meist tief herabhan-genclen Gurte der ein zierliches, zu-weilen verwirrtes Netzwerk bil-denden , hin und wieder im Flach-bogen gespannten zusammengesetztenKreuzgewölbe. — Die Strebe-pfeiler nehmen gewöhnlich wiederein schweres Verlnlltniss an; sie reichen nicht mehr über das Kranzge-sims hinaus und enden nicht in Spitzsäulen, oder wenn dieses der Fallist, so steht die Spitzsäule über Eck auf dem Pfeiler. Charakteristischist die Einbiegung der Wasserschrägen an den Strebepfeilern. — DasMaasswerk erscheint in allen mathematisch möglichen Figuren, be-sonders oft in dem sogen. Fischblasenmuster, oder es nimmt
Wim
Fig. 220. Pfeiler und Gewülbegurte.