4 gQ Gothischer
sondern durch ein schöpferisches Suchen und Probiren mit Lineal undZirkel zu ihren bewunderten kaleidoskopischen llesultaten gelangten. —Das Maasswerk füllt alle Oeffnungen (besonders die Bogenfelder der
Fenster) und überkleidet alle Flächen. —Das Laubwerk ist der Natur entnommen;namentlich sind es gewisse vaterländischePflanzen , deren Blatt man nachbildete(Eichenlaub , Weinlaub , Epheu , Kreuz-kraut, Hopfen, Stechpalme, Haselwurz etc.),um damit in leichten Sträusschen sym-metrisch die kelchförmigen Capitäle zuschmücken. Die äusseren Kanten der Gie-belschenkel und Pyramiden werden mitBlättern besäumt (Fig. 195) , welche ammeisten dem Kohlblatte gleichen und unterdem Namen der Bossen, Krabben oder des Frauenschuhes bekannt sind;auf den Spitzen gruppiren sich mehrere dieser Blätter zur Kreuzblume(Fig. 19(1) zusammen. — Das Bildwerk theilt sich in Statuen undReliefs. Die Statuen von biblischen Personen und Heiligen werden anden Arkadenpfeilern auf Consolen unter Baldachine gestellt, am Aeusseren
Fig. 19(5.
Fig. 195.
Fig. 197. Von der Lorenzkirche zu Nürnberg (nach Kallenbach).
des Gebäudes in die Bildernischen der Strebepfeiler, an die Theilungs-pfosten der Thüröffnung, besonders aber in die Einkehlungen der Portal-wände und, den Regeln des Geschmackes und der Statik zuwider, umlaufendauch in die Hohlkehlen der Thürdeckbögen; Fig. 197. Thier-gestalten kommen als Wasserspeier in phantastischer Bildungvor; Fig. 19S. — Das Relief nimmt seine alte Stelle in demBogenfelde über dem Thürsturze ein. — Den norddeutschenZiegelbauten fehlt mit sehr wenigen Ausnahmen der Bildwerk-] |IJ s. schmuck.
9S. Die Entwickelungsstufen des gothischen Baustiles können
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zwar im Allgemeinen bezeichnet werden als früher oder strenger,als ausgebildeter oder edler, als später oder ausartender Stil; allein
Stooss, C., über die Construction der Maasswerke etc. Mit 15 Taf. 1S53.—Reuscli,Ed., der Spitzbogen u. die Grundlinien seines Maasswerkes. Mit 25 Taf, 185-J.