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1 (1868)
Entstehung
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478
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Gothisclier

der gothische Stil erreicht sowohl durch die höher aufsteigenden Spitz-bögen der Arkaden, als durch die hohen und weiten, tief hinabreichendenFenster des Hauptschiffes ; die zwischen den Spitzen der Arkadenbögenund den Fensterbänken übrig bleibende geringe Fläche ist in vielenFällen durch eine schmale, nur in der Mauerdicke angebrachte Spitz-bogengalerie. das Triforium (s. oben S. 77), oder eine ähnliche Blenden-stellung, dem hochstrebenden Principe des Ganzen entsprechend, lebendiggegliedert. Die inneren Räume erscheinen dadurch noch höher als siein der That sind, dass man die Pfeilerabstände geringer genommen hat,als die Breite des Mittelschiffes, wodurch die Traveen schmäler werdenund an Schlankheit gewinnen. Die Durchschneidung von Langhausund Querschiff wird nur durch vier stärkere Pfeiler bezeichnet, welchedie Perspective kaum merklich unterbrechen und doch Wechsel in die-selbe bringen. In der Hallenkirche, wo den Seitenschiffen gleicheHöhe mit dem Hauptschiffe gegeben ist, wird die freie lichte Weite desganzen Innern unläugbar noch gefördert, allein dies geschieht auf Kostendes Aeusseren, welches dadurch an Leben bedeutend verliert. Es liegtin der Natur der Sache, dass es lediglich technische Mittel sind und seinmüssen, auf welche die Wunderwirkung des gothischen Domes zurück-zuführen ist; allein in der schöpferischen geistigen Kraft, die jene Mittelerfand, erkennt der gläubige Sinn das Wehen des christlich-germa-nischen Geistes.

95. Am Aeusseren der gothischen Kirche tritt uns im Gegensätzegegen die ruhige Fläche der romanischen Umfassungsmauer eine le-bendige Abwechselung von mannichfachen vor- und zurücktretendenverticalen Theilen entgegen: die Horizontallinie ist überall durch-brochen und die Mauerfläche fast ganz in mächtige Spitzbogenfensteraufgelöst. Am grossartigsten ist die westliche Hauptfacade geschmücktmit ihren prächtigen Portalen und dem hohen Spitzgiebel des sehrsteilen, gewaltigen Daches in der Mitte und den majestätischen Thür-men auf beiden Seiten.

Jener Wechsel vor- und zurücktretender Theile wird durch dieStrebepfeiler hervorgebracht, welche in Absätzen, unten mehr, oben we-niger, vor der Wandfläche hervortreten und, indem sie das eine Spitz-bogenbrüstung tragende Kranzgesims durchbrechen, die Horizontalliniedesselben in kurze Abschnitte zerlegen, deren Mitte überdies durch diesich über den Fenstern erhebenden Spitzgiebel (Wimbergen genannt)nochmals getheilt wird. Die Fenster selbst sind durch Steinpfosten inmehrere Längsfelder getheilt; die Pfosten neigen sich in Spitzbögen zu-sammen, und der Raum oberhalb derselben und unter dem Deckbogendes Fensters wird mit durchbrochenem Maasswerk (§ 9 7) ausgefüllt. DieFensterwände und Deckbögen sind wie die der Portale reich gegliedert.Letztere behalten zwar im Allgemeinen die romanische Anordnung hei,bringen aber durch ihre Profilirung und dadurch einen völlig verschie-denen Eindruck hervor, dass sie, den Fenstern gleich, von Spitzpfeilern