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1 (1868)
Entstehung
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Gothischer

Obgleich der Aufbau eines Gebäudes von unten nach oben fort-schveitet, so lässt sich doch der dem gothischen Baustile zu Grunde lie-gende, wohl berechnete technische Gedanke am fasslichsten darlegen,wenn man den umgekehrten Weg einschlägt und, die gothische Kirchegewissermassen von oben nach unten construirend, bei dem Deckenge-wölbe den Anfang macht. Während das Rundbogengewölbe, abgesehenvon künstlichen Aushilfen, quadratische Gewölbefelder (s. oben S. 309)schlechthin nothwendig machte, weshalb immer nur der je dritte PfeilerStütze des Mittelgewölbes sein konnte, so erlaubt das Spitzbogengewölbe,da der Spitzbogen nach Bedürlhiss mehr oder weniger steil construirtwerden kann, die grösseste Freiheit in der Bildung der Decke : die Ge-wölbejoche des Mittelschiffes können schmäler gestellt, also in Rechteckeverwandelt und mit den quadratischen Jochen der Seitenschiffe gleichgelegt werden, so dass nun jeder einzelne Pfeiler als gleichmässige Stützedes Ganzen benutzt wird, und das Innere an perspectivischer, das Aeussere

Fig*. 192. Querdurchschnitt des Domes zu Halberstadt (nach Lucanus).

an malerischer Wirkung wesentlich gewinnt. Das gothische Kreuzge-wölbe selbst besteht ferner nicht mehr aus sich durchschneidenden Ton-nengewölben, sondern nur aus einem starken Gerippe von gegliedertenQuergurten zur Begrenzung der einzelnen Joche und aus ähnlichen, nurleichteren Diagonalrippen, welche im Durchschneidungspunkte in einemSteinringe als Schlussstein zusammenstossen. Dieses feste Gerippe wirdnun mit leichten Kappen von der Form sphärischer Dreiecke ausgefüllt,und die ganze aufgelöste Gewölbemasse beschränkt auf diese Weise ihrenDruck und Seitenschub lediglich auf die Ausgangspunkte der Quer- und