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1 (1868)
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474
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Gothischer

gothiscbe Dam entspricht, der evangelischen Forderung des mittelalter-lichen Dichters : ')

Man soll an lichter weite

Christen-glauben künden und Christus-ammet,

und wenn der griechische Tempel nur den Aussenbau und die romanischeKirche nur den Innenbau ausgehildet hatte, so gelang dem gothischenStile eine gleichmässige Ausbildung des Innern und des Aeussern. Intechnischer Beziehung ist zu bemerken, dass die gothische Architekturdie Kunst verstand, mit möglichst wenig Steinen die grössest möglichenRäume zu umschliessen. Getadelt hat man an dem Stile eine gewisse,namentlich an der Chorpartie bemerkliche Zerklüftung des Aeussern unddie übermässige Grösse der Fenster, deren überreichliches und grellesLicht das Mittelalter indess durch gefärbtes Glas zu massigen und zu -dämpfen wusste. 1 2 )

92. Der Grundriss des gothischen Domes zeigt hei wesentlicherBeibehaltung der alten Basiliken- und Kreuzform eine freiere Behand-lung des überlieferten strengen Typus, welche sich namentlich aus-spricht in dem mit dem ganzen Langhause in Eins verschmolzenen,verlängerten Altarraum und dessen polygonischem Schluss.

Fig. 191, Dom zu Halberstadt (nach Lucanus).

In dem Plane der gothischen Kirche ist in reformatorischer Weisedie Bahn zum Tische des Herrn eröffnet, und der zwischen Chor undSchiff eingeschobene Lettner (oben S. 39 Annrerk. 1) erscheint nur alseine schwache hierarchische Ileaction. Mit dem Wegfall der Kryptenhörte auch die bedeutende Erhöhung des Chores auf, die im gothischenStil nur wenige Stufen beträgt. An die Stelle der in der romanischenKirche stets einen besonderen, für sich bestehenden Theil bildendenApsis tritt jetzt der, vom Kreuzgewölbe bedingte, aus mehreren Seiten

1) S. oben S. 41 Nota I.

2) Die Mängel des gotb. Stils legt nicht ohne Einseitigkeit dar: Hübsch (dieArchitektur u. ihr Verhältniss etc. S. S8 ff.), welcher den gotb. Dom ein »Glashaus«nennt: ein Bonmot, das sich auch Lübke 'Gesell, der Architektur S. 4(i4) ange-eignet hat.