Baustil.
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Drange nach Selbständigkeit auch befriedigen wollte. Dass aber dieGeistlichkeit der alten Meisterschaft in der Baukunst verlustig ging, ge-schah durch eigene Schuld ; die gesteigerten Ansprüche an die Technikschreckten die jetzt fast ausschliesslich aus dem an das Kriegshandwerkgewöhnten hohen Adel hervorgehenden Grosswürdenträger der Kirchezurück ; andrerseits war aber auch die frühere Nothwendigkeit der Bau-führung durch den Clerus nunmehr weggefallen, und die Geistlichkeithätte Gelegenheit gehabt, dringenderen Aufgaben ihres Standes zu ge-nügen .
90. Die Schwierigkeiten in Beziehung auf die Zeitstellung derkirchlichen Bauwerke mindern sich im Verlaufe dieses Zeitraumes,indem die Ausbildungsphasen des gothischen Baustiles sich mit grosserBestimmtheit von einander sondern lassen, und die Continuität derüberlieferten schriftlichen Nachrichten immer mehr zunimmt.
Die chronologischen Schwierigkeiten, die aus der von Mertenssogen. Mutation (oben S. 2S9) entsprangen, hören mit dem Verlaufedes XIII. Jabrh. in demjenigen Theile Deutschlands, wo das Christen-thum schon lange herrschend war, grösstentheils auf, dauern dagegen indem baltischen Tieflande, wo christliche Bildung erst seit der Mitte desXII. Jahrh. eine feste Stätte gewonnen hatte, zum Theil noch das XIV.Jalirh. hindurch fort, und werden hier, wo der in Beziehung auf Glie-derungen und Ornamente nicht anders als fabrikmässig zu betreibendeZiegelbau herrscht, dadurch noch vermehrt, dass die Entstehungszeit derGebäude nicht nach den für den Hausteinbau geltenden Regeln beurtheiltwerden kann.
91. Die Kirchen gothischen Stils sind hochstrebende Gebäude,deren Gerippe (s. den Querdurchschnitt des Halberstädter DomesS. 470Fig. 192) aus schmalen senkrechten Gliedern besteht, zwischen wel-chen von grossen Fenstern durchbrochene leichte Wände als blosseFüllungen zum Abschlüsse des Baumes eingefügt sind. Das Vor-herrschen der Verticallinie ist an ihnen charakteristisch; ebenso der inallen Wölbungen angewendete Spitzbogen von schrägen, gegliedertenSeitenflächen und das aus Rippen, zwischen denen leichte Kappeneingespannt sind, bestehende Kreuzgewölbe, welches Pfeiler als Stützenund Strebepfeiler als Widerlagen bedingt. Die Detailbildung, anfangsstreng und einfach, später freier und reicher, artet zuletzt einerseits inUeberfülle, andererseits in Trockenheit aus.
Beim Rückblicke auf den Weg. welchen die christliche Kirchen-baukunst bis zur Vollendung des gothischen Baustils zurückgelegt hat,zeigt sich, dass dieselbe erst in diesem das mit dem Blicke nach Obengesuchte Ideal, die Vergeistigung der todten Masse gefunden hat. Der