Baustil.
291
geltend (Präcession oder Propagation). Während z. B. am Niedevrheinder Gewölbebau schon in der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts be-ginnt, begnügte man sich in Süddeutschland bis zum Anfänge des fol-genden Jahrhunderts noch mit der althergebrachten Plolzdecke der Basi-lika. — Zu Cöln ist die im romanischen Stile erbaute Cunibertskirche1247 vollendet, und schon im Jahre darauf wurde der gothische Uomdaselbst gegründet. — An der Liebfrauenkirche zu Trier ist der sichüber dem gothischen Gebäude erhebende , nothwendig spätere Mittel-thurm noch in romanischen Formen gehalten. — Der romanische Stildauert in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts fast überall und inmanchen Gegenden zuweilen bis gegen 1300 fort, während die Gothikbereits seit den ersten Decennien des XIII. Jahrhunderts sporadisch auf-zutreten beginnt.
G7. Die Kirchen romanischen Stils sind einfache, massenhafte,mehr niedrige als hohe Gebäude von starkem Gemäuer und grosserFestigkeit, Anfangs schwerfällig und schlicht, später zierlicher undreicher. Das Vorherrschen der Horizontallinie ist an ihnen charakte-ristisch; ebenso der in allen Wölbungen angewendete halbkreisförmigeBundbogen.
Fig. 124. Der Dom /.u Merseburg (nach ursprünglicher Anlage).
9 _ <L
9 _ L
J ./' f ./
H i! m I
S f S S S
9 9
9 9 9
68. Der Grundriss erscheint nach einem bestimmten Gesetzerhythmisch gegliedert. — Denkt man sich die mittlere \ ierung () alsdie Basis eines Würfels, so giebt das Netz desselben das Maas für dieHaupttheile des Gebäudes: eine Würfelfläche für den Chor E, zweiandere für die Kreuzarme G, die beiden übrigen für das MittelschiffA , welchem jedoch zur nothwendigen Verlängerung westlich nocheine Fläche hinzugefügt ist. Die Seitenschiffe B haben die halbe Breitedes Hauptschiffes, welcher auch die Entfernung der Säulen oder Pfeilervon einander entspricht. Die Apsiden sind halbkreisförmige Vorlagen,