Baustil.
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Die obwaltenden Schwierigkeiten sind, tief eingehend und mitgrossem Scharfsinne, zuweilen freilich etwas unklar im Ausdrucke, ihremganzen Umfange nach dargethan von Mertens (die Baukunst des M,-A.S. 1)5 ff.) ; doch darf behufs richtiger Würdigung der hier vorgetragenenAnsichten und ihrer Anwendung die ebenso gründliche als unbefangeneBeurtheilung Schnaase’s im Deut. Kunstbl. 1852. No. 3 ff. nicht über-sehen werden.
Es sind nach Mertens hiebei drei Hauptgesichtspunkte zu be-achten: 1) Die Mutation. Es lag in den Verhältnissen der ersten
Ausbreitung des Christenthnms in den deutschen Landen, dass man mitDürftigkeitsbau oder doch in kleinerem Maasstabe begann, und erstspäter, wenn die neue Stiftung befestigt und erstarkt war, einen auf dieDauer berechneten Denkmalbau an die Stelle setzte. So wurde die Kirchedes Klosters Huyseburg in dem Zeitraum von nur 70 Jahren dreimal neugebaut, bloss weil sie für den Wachsthum der Stiftung immer wieder zuklein befunden wurde. Ebenso fanden in dem ersten Jahrhundert (1124 bis1205) nach der Stiftung des Klosters auf dem Petersberge bei Halle a. d. S.an der dortigen Kirche sehr viele Veränderungen und Erweiterungen statt,und im Innern des noch jetzt vorhandenen romanischen Gebäudes hat manGrundmauern einer früheren kleineren Kirche aufgel'unden. — In derJ255 —1379 erbauten Klosterkirche zu Altenberg bei Cöln wurden beiErneuerung des Eussbodens ebenfalls Mauerreste von einer älteren derGründung des Klosters im Jahre 1145 angeliörigen Kirche entdeckt. —Ausser solchen völligen Erneuerungen kamen im Laufe der Zeit aberauch mancherlei theilweise Veränderungen und Restaurationen an denGebäuden vor, von denen gewöhnlich keine geschichtliche Nachricht sicherhalten hat. — Aus der ältesten Zeit von der karolingischen Periodebis zum XI. Jahrhundert ist eine ganze Generation von Bauwerken zuGrunde gegangen, da nach dem Zeugnisse eines französischen Mönchs 1 )aus der ersten Hälfte des XI. Jahrhunderts damals ein gleiches Streben,Neues an die Stelle des Alten zu setzen, die ganze abendländische Weltbeseelte, und auch gleichzeitige deutsche Zeugen 2 ) bekunden, eine hie
1) Rodulphus Glaber, Hist. III. 4 (bei Bouquet X. 29): Infra mille-stumm tertiojam fere imminente anno contigit in universo pene terrarum orbe, prae-cipuc tarnen in Italia et. in Galliis , innovari ecclesiarum basilicas , licet pleraequedecenter locatae minime indiguissent. Aenmldbatur tarnen quaeque gens Christico-larum adversus alteram decentiorefmi: erat enim instar ac si mundus ipse excutiendosemet, rejecta vetustate, passim candidam ecclesiarum vestem indueret. Tune deniqueepiscopalium sedium ecclesias pene universus ac cetera qaaeque diversorum sanctorammonasteria seit minora rillarum oraioria in meliora quiquepermutavere fideles. Vergl.Junkmann, W., Diss. de peregrinationibus et expeditionibus sacris. Vratislav.1859. p. 37.
2) Anonymus Ilaserensis c. 32 (bei Pertz, M. G. SS 7, 261): Sub Ileri-berto episcopo (von Eichstädt 1022 —10-12) primitus apud nos (anderwärts also schonfrüher; vergl. Lotz, Kunst-Topogr. 1, ü) coepit veterum acdificiorum dejectio et no-vormn aedificatio. Antecessores ejus imis et mediocribus aedijiciis contcnti erant ma-gnamque in hiis habundantiam habere volebant. Iste rero episcopus et omnes succesoresejus aut novas ecclesias aut nova palatia aut etium castella aedificubant et hoc jugiteroperando, populum serviturum ultimapaupertate attenuebant. Von den WürzburgerBischöfen heisst esldann: Wirceburgensibus quodammodo naturale est destruere etaedißcare, quadrata rotundis mutare (Horatius, ep. I. 1, 100).