Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
266
Einzelbild herunterladen
 

266

Schlussbemerkung.

Holzschnitt Fig. 115 entlehnt haben) mag es (wie in manchen ähnlichenFällen) zweifelhaft sein, ob er als Tauf- oder Weih Wasserbecken gedienthat; für letzteres scheinen die nicht bedeutenden Maasse zu sprechen.

Sclilussbem erkling

über Polychromatie und Restauration der mittelalterlichen Kirchen.

Die nüchterne, einfarbige Tünche, womit das Innere der meisten altenKirchen gegenwärtig überstrichen ist, war nicht der mittelalterliche Ge-schmack : Pfeiler und Bögen, überhaupt alle aus Werkstücken errichtetenTheile blieben durchaus von Tünche befreit und zeigten den Stein in seinernatürlichen Farbe ; nicht bloss das Blattwerk der Siiulencapitäle wurde oft(z. B. in der Predigerkirche zu Basel ')) vergoldet oder bunt gefärbt, son-dern auch die Portale mit ihren Bildwerken erhielten den Farbenschmuck;die Wandflächen waren gewöhnlich mit Malereien geschmückt, die getäfeltenDecken zuweilen bemalt t z. B. in St. Michael zu Hildesheim I) 2 3 )) und reichgemustert. Aehnlich verhielt es sich meist auch mit den aus gebranntenSteinen errichteten Gebäuden : die Ziegel behielten ihre natürliche Farbe(w r ie z. B. noch jetzt im Dome und in der Marienkirche zu Stendal, in derWallfahrtskirche zu Wilsnack , in der Klosterkirche zu Doberan etc.), dieGewölberippen wurden polychromatisch gefärbt, nur die Kappen erhielteneinen Ueberzug von-Putz und wmrden zuweilen, aber selten, mit Gemäldengeschmückt (z. B. in den Marienkirchen zu Colberg und zu Herzberg a. d.Elster). Im Meklenburgischen kommen indess auch Kirchen (z. B. dieMarienkirche zu Röbel '*)) mit w'eiss oder roth geputzten Wänden vor, diedann aber beziehendlich mit rothen oder w r eissen Linien gequadert sind, undzwar grösser als das Format der Ziegel. lm früheren M. A. war auchdie an byzantinische Vorbilder erinnernde Sitte beliebt, durch Verwendungverschiedenfarbiger Steine in wechselnder Folge eine poly chromatische Wir-kung hervorzubringen. So ist z. B. die Faeade der aus karolingischer Zeitstammenden Durchgangshalle im Kloster Lorsch ganz mit einem Schach-brettmuster aus rothen und weissen Marmortafeln mosaikartig bekleidet.Auch die dem XI. Jahrh. angehörenden Theile des Domes in Trier und derMichaeliskirche in Hildesheim zeigen in den Bogenstirnen einen regelmässigenWechsel rother und weisser Sandsteine, der sich in letzterer Kirche selbstbis auf die Säulen (mit weissen Basen und Capitälen, mit rothen Schäftenund Kämpfern) erstreckt. In Norddeutschland gehen bunt glasirte Ziegel-steine (Wechseisteine in roth, schwarz und grün) als eigenthümlicliesOrnament des Aeussern durch das ganze Mittelalter, und die glänzendsteWirkung wurde z. B. an der Fronleichnamskapelle 4 ) der Katharinenkirche

I) Abbild, in Farbendruck in den Mittheil, der Gesellsch. für Vaterland. Alterth.in Basel VI. Taf. (i u. 7.

2; Die Deckengemälde der St. Michaeliskirche in Hildesheim in Chromo-Litho-graphie, bei Storch u. Kramer in Berlin, mit Text von J, M. Kratz.

3) Abbild, in Farbendruck in der Zeitschr. für Bauwesen (IS52) II. Bl. 55.

4) Ansicht in Farbendruck bei Adler, Mittelalterl. Backsteinbauwerke lieft II.Taf. 11.