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Verschiedene
Figuren von Sebastian Lindenast (1506—1509): Kaiser Karl IV. aufdem Throne und vor ihm stehend ein Herold. Mit dem Schlage derStunde, die der Tod einläutete, setzten zwei Paar Hornbläser neben demThrone ihre Hörner an, aus einer Thür traten die sieben Kurfürsten her-vor , zogen sich verneigend vor dem Kaiser vorüber und verschwandendurch eine andere Thür. — Oeffentliche Thurmuhren wurden seit derMitte des XIV. Jalirh. allmählich eingeführt, und der Dom zu Magdeburgerhielt eine solche 1396.
27. Yotivgeschenke. Wie ehemals in den Tempeln heidnischer Götter,fand man bereits in den Märtyrerkirchen des christlichen Alterthums(Theodoret. Opp. 4, 922; vgl. Neander, Kirchengesch. 2, 481) Nach-bildungen der Glieder, deren Heilung der Hilfe der Märtyrer verdanktworden, aus Gold oder Silber als Weihgeschenke aufgehängt, und dieSitte solche Votivgeschenke, häufiger aus Wachs als aus edlem Metall,hei Gnadenaltären aufzuhängen, hat sich bis heute in der katholischenWelt erhalten. Auf einem Flügelbilde des Sebaldialtars aus dem XVI.Jalirh. in der Kreuzkirche zu Schwäbisch - Gmünd sind zwei Altäre dar-gestellt, über denen an einer beweglichen Stange mehrere Füsse, ein Kopfund ganze Kinderfigürchen hängen. fAbbild, bei Laib und Schwarz,Studien zur Gesell, des christl. Altars Taf. IX. 1.2). Bekanntlich aberbeschränkte und beschränkt sich die fromme Dankbarkeit nicht auf dieDedication von Modellen erkrankter und geheilter Körpertheile, sondernerrichtet ex voto Kirchen und Kapellen, Altäre etc. und stattet die Got-teshäuser mit den verschiedensten Denkmälern und Schmuckgegenstän-den aus.
28. Wahrzeichen sind allerlei Denkmale und Curiosa etc. in oder anKirchen und anderen öffentlichen Orten einer bestimmten Stadt, die jederreisende Handwerker gesehen haben musste, um sich über den Besuchder betreffenden Stadt gehörig ausweisen zu können, z. B. die grosseGlocke auf dem Dome zu Erfurt, das Kauermännchen am Domkreuzgangezu Merseburg, den Grabstein mit dem auf dem Dudelsack spielendenEsel im ehemal. Dom (jetzt im Museum) zu Hamburg, die Riesenrippein der Nicolaikirche zu Jüterbog, den auf Rosen gehenden Esel an derMarktkirche zu Halle a. d. S., die sechs Töpfe über dem Eingänge zurKrypta der Petri-Paulikirche zu Görlitz (angeblich als Erinnerung an denfrüher an dieser Stelle abgehaltenen Topfmarkt) , die oben (No. 26) er-wähnten automatischen Kunstuhren zu Nürnberg u. Heilsbronn u. a. m.—Vgl. über Städte-Wahrzeichen, in der Ulustrirten Zeitung 1857 No. 706 ff.
29. Würinäpfd ( poma ealefactoria), zum Erwärmen der Hände beimAltardienste im Winter, sind hohle durchbrochene aus Metall verfertigteAepfel, in welchen sich ein Einsatz mit glühenden Kohlen oder heissemWasser oder einem glühenden Eisen befindet . Ein Inventarium von Laonaus dem J. 1502'führt an; » Pomuni arg entetim, deauratum., foratum inplerisque loms, habens receptaculum etiam arg enteuni, in quo solet poni fer-nem candens, ad calefaciendas manus sacerdo/is celebrantis tempore hye-mali.n Vgl. De Laborde, Notice des emaux du musee du Louvre.'Paris 1853; 2, 456, woselbst aus fürstlichen Schatzverzeichnissen desXIV—XVI. Jalirh. noch mehrere Exemplare angeführt werden. Nach