Gegenstände.
263
kirche zu Botzen (abgebild. bei Essenwein a. a. O. S. 324 Fig. 13),welches indess keine öffentliche Kirchhofslaterne war, sondern eine Privat-stiftung zu Ehren eines bestimmten einzelnen Grabes, wie dergleichenLichthäuschen öfter als Angebäude an Kirchen Vorkommen, z. B. mehr-fach an St. Stephan in Wien (vgl. die Abbildungen ebd. S. 323 Fig. 1 1u. 324 Fig. 12), an der Pfarrkirche zu Bingen (abgebildet bei Statz undUngewitter, Goth. Musterbuch Taf. 141, 3—6) etc. — Ebenso sindauch die Betsäulen (s. oben No. 2) zuweilen mit einer Vorrichtung zurAufnahme eines Lichtes verbunden.
26. Ihren. Zuweilen sind Sonnenuhren ( solaria) an den Kirchen an-gebracht, z. B. am Dome zu Regensburg aus dem J. 1487, am Münsterzu Strassburg, am Chor des Freiburger Münsters von 1502 u. a. m. —Im Domkreuzgang zu Regensburg befindet sich eine aus dem Convent-garten von St. Emmeram herstammende Säule von Granit mit einemAstrolabium aus dem XIII. Jahrh. . womit wahrscheinlich eine Sonnen-uhr verbunden war. Gleiche Bestimmung mag eine mit den personificirtenMonaten des Jahres (in zweimal sechs Statuetten über einander) verzierteSandsteinsäule aus dem XIV. Jahrh. gehabt haben, die bei der jüngstenRestauration der Klosterkirche zu Nienburg a. d. S. in der Erde liegendgefunden wurde und jetzt in der Sacristei aufgestellt ist. — MechanischeUhren, welche durch ein Gewicht in Bewegung gesetzt werden, sollenvon dem berühmten Gerbert (f als Papst Sylvester II. 1003) erfundenworden sein. Schlaguhren werden zuerst erwähnt in den um 1120 zu-sammengetragenen Usages de l’ordre de Citeaux, wo dem Sacristan auf-gegeben wird, die Uhr so zu regeln, dass sie schlägt und ihn vor demFrühgottesdienste weckt. Ausserdem wird vorgeschrieben, die Lectionenso lange fortzusetzen, bis die Uhr schlägt. Vgl. Pottier, Monumentsfrancais inedits 2, 29. Auch bei Joh. Beleth, divini officii explicatioc. S6 , und nach ihm bei Durandus fRationale 1. 1 c. I n. 35) werdenSchlaguhren in den Kirchen erwähnt: » Hurologia, per quae horae leguntur,id est colligmitur.il Das Zifferblatt war bis ins XVI. Jahrh. in 24 Stundengetheilt; darum die ganze, auch die grosse Uhr genannt. (Ein solches,früher im Dome zu Magdeburg befindliches Zifferblatt ist seit dem Restau-rationsbau nicht mehr vorhanden.) — Künstliche astronomische Uhrenerhielten das Münster zu Strassburg 1352 — 54, die Marienkirche inLübeck 1405 (an beiden Orten im XVI. Jahrh. durch neue Werke er-setzt), die Marienkirche zu Danzig 1404 (von Hans Düringer), dieKlosterkirche zu Heilsbronn im XVI. Jahrh. (von Thomas Teichmann;vgl. die Abbild. , nach einer alten Zeichnung, bei Stillfried, II. v.,Alterth. u. Kunstdenkm. des Hauses Hohenzollern. Neue Folge. Lief. 4.Schlussvignettej. Letztere, im Schiff der Kirche aufgestellte Uhr bildeteeinen Schrein mit spätgothischer IJecoration und zierlicher Bekrönung.Auf einem Sockel vor dem Schrein stand die Figur eines Löwen, auf demdas Knochengerippe des Todes rittlings sass und stündlich mit einemKnochen auf das Haupt des Löwen schlug, der dann brüllend die Zeitangab. Ein noch complicirteres Werk solcher Art ist das weithin berühmteMännleinlaufen am Michelschörlein der Frauenkirche zu Nürnberg,verfertigt von dem Schlosser Georg Heuss mit in Kupfer getriebenen