Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

Glocken.

245

kirche in Weissenfels ist der Umkreis der Erfurter Glocke angemalt, undim Erfurter Dome selbst zeigt man ein Rundfenster, dessen Peripherieder früher dort vorhandenen Glocke (Susanna) entsprochen haben soll.

Anmerkung 1. Die Sitte, den Glocken bestimmte Namen beizu-legen, von welcher sich die frühesten Spuren im X. Jahrhundert vorfinden,ist'nur aus dem Bedürfnisse hervorgegangen, unter mehreren *) vorhandenenjede einzelne mit Bestimmtheit bezeichnen zu können: man wählte dieNamen nach den Stiftern oder Patronen, aber auch nach den Eigenschaftenoder nach der Bestimmung der Glocke. Die Merseburger Domsturmglocke,die aus dem XII. Jahrh. zu stammen scheint , heisst Clinsa, die Klingerin ;die beiden grössesten Glocken des Cölner Doms von 1448 und 1449 heissenPreciosa und Speciosa. — Der Merseburger Dom hat' eine Quarta und eineNona, beide von 1458. — Männliche Glockennamen, welche im Hoch-mittelalter die häufigeren gewesen zu sein scheinen, wichen später den weib-lichen fast völlig.

Anmerkung 2. Die älteste bekannte datirte Glocke (von 3 1 /, F. rh.unterem Durchmesser) ist vom J. 1249 und befindet sich in der Burchardi-

Fig. 103. Glocke zu Lühnde, vom J. 127Ö mach Kratz).

kirche zu Wiirzburg 2 ), eine Glocke von 1251 auf dem Dome zu Minden,eine von 1201 auf dem Thurme der Peters-Pfarrkirche zu Aachen, zwei von

1) Carl Borromäus (+ 1584) setzte für seinen Mailänder Erzsprengel (de instru-ctione fabricae 1, 25) für eine Kathedrale sieben oder mindestens fünf Glocken fest,für eine Collegiatkirche drei, für eine Pfarrkirche ebenfalls drei oder mindestens zweiGlocken. — Das Kloster Fulda hatte übrigens schon im J. 770 mehrere Glocken(Pertz, M. G. 2, 377). Die Kirchen der Cisterzienser durften nur kleine Glocken,die Bettelklöster eigentlich nur eine Glocke haben.

2) Ygl. Deutsches Kunstbl. 1854 S. 273.