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Glocken.
Die auf den britischen Inseln sehr frühzeitig weit verbreiteten Glockenwaren aus geschmiedeten Blechen zusammengesetzt, und von dem irischenMönche Dagaeus, der 586 gestorben sein soll, heisst es, er sei nicht blossein ausgezeichneter Schreiber, sondern auch der vorzüglichste Arbeiter[faber< in Eisen und Erz im Kloster St. Kieran gewesen und habe 300Glocken verfertigt. ') In Deutschland gab es nach dem Berichte desReichenauer Abtes Walafried Strabo (de exord. et increment. rer. eccl.c. 5) in der ersten Hälfte des IX. Jahrh. zwei Arten von Glocken ( signa ):gegossene ( vusa Jusilia) und geschmiedete ( vasa productilia) , wie einesolche (Saufang genannt) von jedenfalls sehr hohem Alter, aus derCaeeilienkirclie in Cöln herstammend, im dortigen Stadt. Mu-seum bewahrt wird. Sie ist von der Form der sog. Kuh-schellen, besteht aus drei mit kupfernen Nägeln zusammen-genieteten Eisenplatten und soll in der Zeit des ErzbischofsKunibert um 613 im Peterspfuhle von Schweinen ausgewühltworden sein: ihre Weite beträgt am ovalen Rande 13 3 / 4 undS®/ 4 Z., ihre Höhe 15% Z. 2 ) Nicht grösser als diese eisernedürften auch die damaligen Bronzeglocken gewesen sein, undwenn Karl der Grosse zu einem Glockengüsse statt des Zinns
Fig-, 102. Blech-g-looke im Mu-seum zu Cöln(nach Didron).
100 Pfund Silber bewilligte , so kann, falls das Zinn da-mals, wie jetzt, etwa ein Viertel der Legirung betrug, dieGlocke selbst nur auf 400 Pfund berechnet gewesen sein. —Eine um die Mitte des XI. Jahrhunderts von Bischof Azelinfür den Dom von Hildesheim beschaffte, im J. 1 590 gesprungene Glocke,Cantabona genannt, soll schon 100.Ctr. gewogen haben. 1 2 3 4 ) — Im J. 1206wurde auf dem Petersberge bei Halle die Glocke Petronella geweiht,welche 50 Ctr. wog. 5 ) — Die Glocke auf dem mittleren Domthurme zuOlmiitz in Mähren von 358 Ctr. gilt als die grösseste in Deutschland;die grosse Glocke auf dem Dome zu Erfurt, Maria Gloriosa, von 1497,■wiegt 275 Ctr., die grösseste Glocke des Cölner Domes (von 1448)224 Ctr., der Elisabethkirche in Breslau (von 1507) 220 Ctr., der Petri-Paulikirche zu Görlitz 217 Ctr., des Domes zu Halberstadt (Dominicavon 1457) 1 50 Ctr., der Marienkirche zu Danzig (Sigismundus von 1453)121% Ctr. — Die grossen Glocken der Dome zu Wien (von 324 Ctr.,mit Helm und Schwengel 402 Ctr.) und zu Magdeburg (von 266 Ctr.)stammen aus neuerer Zeit; letztere aber war früher schon in dieser Massevorhanden. — Zuweilen kommt es vor, dass man die Peripherie grosserGlocken als Wahrzeichen an den Kirchengebäuden angebracht hat: z. B.war im Dome zu Cöln die Weite der zwei grössesten Glocken in die (jetzthinweggenommenen) Steinplatten zwischen dem Pfeilerpaare zunächst demEingänge des Glockenthurms eingehauen; an der Nordseite der Stadt-
1) Kal. Cassel, in Actis S. S. Aug. III. 650, angeführt von Wa 11 e nb ac h , inder Zeitschr. für christl. Archäol. u. Kunst i, 22.
2) v. Lassaulx in Klein’s Rheinreise. S. 493; vgl. Didron in den Annalesarcheol. 4, 95.
3) Monachus Sangalensis, gesta Caroli >1. 1, 29 (bei Pertz, M. G. 2, 744).
4) Hannoversche gelehrte Anzeigen vom J. 1754. Sp. 615.
5) Chron. Mont, seren, ad. a. 1206.