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1 (1868)
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Glocken.

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52. Die Glocken *) ( signum , tinimnabulum, nola, canipana),der geschichtlich nicht zu begründenden Ueberlieferung zufolge eineErfindung des Bischofs Paulinus von Nola in Campanien um das Jahr400 , werden zuerst im VI. Jahrhundert unter der Bezeichnung » signum «in den Schriften des Gregor von Tours 2 ) erwähnt, und mögen durchdie irischen und britischen Missionare zuerst in Deutschland bekanntireworden sein, wo sie im YIII. Jahrhundert in Kirchen und KlösternVorkommen; aber erst die Mitte des IX. Jahrhunderts kann als dieZeit der allgemeinen Verbreitung des kirchlichen Glockengebrauchesbezeichnet werden. — Die ältesten Glocken waren nur klein und ausBlech geschmiedet; doch kommen schon gegen Ende des VIII. Jahr-hunderts gegossene Glocken vor, grössere indess erst seit dem XI.und XII., die grössesten im XA r . Jahrhundert.

Das AVort » cloca « kommt zuerst als lateinisches in der Briefsamm-lung des Bonifacius fed. Würdtwein, ep. 124 p. 31 1) vor, als deutscheserscheint es ( »glogga , cloccao) nicht vor dem IX. Jahrh. (vgl. Graff,Sprachschatz 4, 292} und kann etymologisch noch am ersten auf das alt-hochdeutsche Thema chlachan = frangi , rumpi , clangcre bezogen wer-den. — Die Sage von der Erfindung der Glocken zu Nola (nola = Schelle';in Campanien (cainpana — Glocke; wird schon im IX. Jahrh. von Wala-fried Strabo mit dieser doppelten, indess nicht zweifellosen Etymologiebegründet, während der Name des als Erbauer und Beschreiber zweierKirchen in Nola berühmt gewordenen Bischofs Paulinus in keinem älterenZeugnisse damit in Verbindung gebracht wird. Es ist vielmehr wahr-scheinlich, dass die bei den alten Römern als häusliche AVec-k-, wohl auchals öffentliche Versammlungszeichen üblichen Klingeln sich ohne eigent-liche Unterbrechung aus dem Alterthume in die mittleren Zeiten fortge-pflanzt haben und aus Gründen der Zweckmässigkeit zuerst etwa voneinzelnen Klöstern aufgenommen wurden, bis allmählich der kirchlicheGlockengebrauch zur allgemeinen Sitte wurde, so dass wie im Spätmittel-alter aus den kleinen nach und nach die Riesenglocken hervorgingen , soin der Frühzeit aus den häuslichen Klingeln die ersten bescheidenenGlocken der Klöster und Kirchen.

I) Ygl. Otte, II., Glockenkunde. Leipzig 1S5S, woselbst die frühere LiteraturS. 2 f. u. S. 102 angeführt ist; später sind erschienen: Ledebur, Leop. v., Bei-träge zur Glockenkunde der Mittelmark, in den Mark. Forschungen Bd. VI. — DieGlockenkunde in Alt-Bayern, in derAugsb. Postzeitung 1S5S No. 05. — Müller, F.,zur älteren siebenbürg. Glockenkunde, im Archiv des Vereins für siebenbürg. Landes-kunde. Neue Folge IV. 2. 1800. — Ueber Glocken, deren Alter, Form, Inschriftenund Schicksale, bes. in Deutschland, in der Augsb. Postzeitung I8(il Beil, zu No. 40u. 41. —Vgl. auch Unger, F. W., in den Jahrb. des Vereins von Alterthumsfr. imKheinlande. XXIX u. XXX. S. 52—59. — Ilitzinger, zur Gesch. alter Glockenin Krain, in den Mittheil, des histor. Vereines für Ilrain. Jahrg. 1802. — Straub, A.,Nachlese zur Gloekenkunde. Aus dem Eisass, im Organ für christl. Kunst. 18Ö5S. 04 — 07.

2) Vgl. Otte a. a. O. S. 3.

3) Ebd. S. 4.

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