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1 (1868)
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106
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Altaraufsätze,

aufgehellte Frage. Die Rückwand des Altars wurde in ähnlicher"Weise, wie die Vorderseite der Mensa mit dem Frontale (s. oben S. 100Anmerk.) , mit einem beweglichen Superfrontale geschmückt, welchesebenfalls aus einer Metalltaf'el oder einem Teppiche bestand. Das ältestebekannte Superfrontale ist die berühmte Pala cl'oro in S. Marco zu Ve-nedig , eine mit getriebenen Darstellungen, Emails und Edelsteinen ge-schmückte Tafel aus vergoldetem Silber und feinem Golde von etwa 1 0 F.Länge und 7% F. Höhe, welche im Jahre 976 in Byzanz verfertigt,1105 erneuert und 1209 und 1 345 hergestellt wurde. Ein ebenso kost-bares und vielleicht ebenso altes Werk dieser Art besass in Deutschlanddie Michaeliskirche zu Lüneburg in der goldenen Tafel, welche anstattdes Bilderwerkes auf dem Altar stand und im XVII. Jahrh. gestohlenwurde. ') Ein Retabulum, aus sehr dünnem vergoldetem und emaillirtemKupfer getrieben und auf eine Holztafel gelegt, wurde in den letztenKriegen in Coblenz von den Franzosen geraubt und befindet sich jetzt inSt. Denis : es ist etwa 9 F. lang und ohne das in der Mitte angebrachtehöher hinaufreichende Brustbild Christi 2 F. hoch. 1 2 3 ) Den Maassenvon 6% F. Länge und 2% F. Höhe zufolge dürfte auch die neuerlichüber dem Epistelseiten-Altäre der Wiesenkirche zu Soest hinter einemdem XIV. Jahrh. angehörigen Altarsclireine entdeckte, ganz mit vergol-detem Pergamente überzogene bemalte Holztafel aus dem XIII. Jahrh.ursprünglich die Bestimmung eines Superfrontale gehabt haben : der obereBand derselben erhebt sich in der Mitte in einem Flachbogen und aufbeiden Seiten symmetrisch in je zwei Spitzen.'*) Wahrscheinlich istauch in einer etwa gleichzeitigen, aus der Gegend von Rosenhain in dasNational - Museum zu München gekommenen bemalten Tafel ein Super-frontale zu erkennen: dieselbe ist ungefähr 45 F. lang und 1 F. hochund ladet am oberen Rande in ihrer Mitte ebenfalls in einem Halbrundaus. 4 5 ) Das älteste bekannte , dem XII. Jahrh. entstammende unbe-wegliche Superfrontale befindet sich an dem die Mensa überragendenTheile der steinernen Rückwand des der Maria gewidmeten Altars in derKirche St. Gervais zu Maestricht (s. den Holzschnitt) : auch hier ist, wiein St. Denis, der mittlere, allein mit Bildwerk geschmückte Theil höhergehalten : die Seitenfelder enthielten wahrscheinlich Gemälde oder wur-den mit Teppichen behängt. s ) Als besonders lehrreich in Beziehung

1) ' Cal vor, Csp., Saxonia inferior S. 43li. Die hier auf 7 F. 9 Z. Länge und3 F. S Z. Höhe angegebenen Maasse könnten darauf deuten, dass die Tafel ursprün-lieli ein Frontale gewesen und erst nachträglich als Superfrontale verwendet wordensei. Gleiche Vermuthung hat man in Beziehung auf den sogen. Verduner Email-Altaraufsatz in Klosterneuburg ausgesprochen, welcher 1181 verfertigt wurde, abererst 1320 seine jetzige Verwendung fand. Vgl. Mittelalterl. Kunstdenkm. des Öster-reich. Kaiserstaates, herausgegeb. von G. Heider etc. 2, 117.

2) Viollet-le-Duc, Dictionnaire duMobilier p. 233; vgl. Laib u. Schwarz,Studien etc. S. 53.

3) Vgl. Zeitsclir. für christl. Archäol. u. Kunst 2, 283 u. Taf. 15 u. l(i.

4) Mittlieil. der k. k. Central-Commission etc. {ISG 1) (>, 114.

5) Reich ensperger, A., Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchl. KunstS. 13(i u. Taf. VI nach einer Abhandlung von A. Schaepkens. Der etwa gleich-zeitige hohe Altarbau in der Kirche zu AVechselburg scheint ursprünglich ein Lettnergewesen zu sein und befindet sich nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle.