Altartisch.
99
Heilbronn. ') Gleicher Zeit etwa scheint der Altar in der Westkrypta desNeumünsters zu Wiirzburg anzugehören: er ist ebenfalls mit Säulen um-stellt, zwischen denen die Felder mit Malereien geschmückt sind, unddurch Gitter kann man in das hohle Innere sehen, wo ein Sarg die Reli-quien des heil. Kilian einschliesst. Ein sehr eigenthiimliches Werk istder im Museum des Grossen Gartens zu Dresden befindliche, aus derdortigen Bartholomäikirche herrührende gothische Altar mit einer sta-tuarischen Darstellung des heiligen Grabes in dem vorn ganz offenen,hinten und auf den Seiten fensterartig durchbrochenen Innern. 1 2 i
Fig*. 30. Mensa in der AHerbeiligenkapelle zu Itegcnsburg'.
■
IwmwMi
1H|M
Auf Säulen ruhende Altartische in der Weise der morgenländi-schen Kirche gehören, wo sie in Deutschland Vorkommen, dem XI. undXII. Jahrh. an, und haben sich erhalten in den Krypten zu Limburg a.d.H.(nur in Bruchstücken), von St. Gereon zu Cöln und zu Gurk (woselbstzwei dergleichen), ausserdem in der Kirche zu Sindelfingen bei Stuttgart,in der Allerheiligenkapelle zu Ilegensburg , sowie im Dom zu Braun-schweig. Letzterer, von Heinrich dem Löwen der heil. Maria gewidmetund ursprünglich in der Mitte des hohen Chores aufgestellt, ist unter denMensen dieser Gattung der ausgezeichnetste : die Platte (I F. 9% Z. lang,2 F. 4% Z. breit und 4 Z. rhl. dick) aus dunkelem Muschelmarmor ruhtauf fünf hohlen, ehemals mit Reliquien gefüllten Bronzesäulen, derenCapitäle mit schön stilisirten Adlern geschmückt sind. In dem Capitäleder Mittelsäule befindet sich in einem bleiernen Gefässe die Dedications-urkunde Bischofs Adelog von Hiklesheinr vom J. I 188.’ 3 ) — Der sog.
1) Hauch, Einladungssclir. der polytechn. Schule in Stuttgart 1S49 S. 18 Taf. 2;auch hei Laib und Schwarz, Studien etc. Taf. III. s,
2) Bösigk, Fz. L., Führer durch das Museum im Palais des grossen Gartens.1850, die Tafel zu S. 14.
3) Schiller, die mittelalterl. Architectur Braunschweigs S. 22; vergl. Gör-res, F., Beschreib, vom St. Blasius Dom zu Braunschw. 3. Auü. S. 30. —• Bei Jac.Goar, Ei%o).6yior s. rituale Graecorum p. 614 findet sich die Vorschrift, dass dieErrichtungsurkunde des Altars in die hohlen Säulen gelegt werden soll, welche diePlatte tragen (Vgl. Laib und Schwarz, Studien etc. S. 17). — Heinrich der Löweerbaute den Dom zu Braunschweig nach seiner Rückkehr von dem heil. Grabe; woherer viele Kostbarkeiten und Reliquien mitgebracht hatte ; es ist nicht unwahrscheinlich,dass dem Marienaltar ein orientalisches Vorbild zu Grunde lag.