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1 (1868)
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Symbolik der Bauformen.

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des heil. Grabes zu Jerusalem (de vita Constantini 3, 38), wo er, da keinerbaulicher Zweck vorliegt, sich sonst alles Symbolisirens enthält, die Zwölf-zahl der die Kuppel tragenden Säulen auf die Apostel bezieht: dvoixaldixaxi'oveg rolg tov nmTrjgog unuaroloig iadfjiOpoi. — Bei den mittelalterlichenSchriftstellern des VIII.—XIV. Jahrhunderts wird die mystisch-allegorischeDeutung des Kirchengebäudes — vom Grundsteine bis zum Wetterhahn aufder Thurmspitze — bis ins Einzelnste ausgebildet: Anfangs mit einer, ausdem sich regenden Bewusstsein des Hineintragens erklärlichen gewissenSchüchternheit 1 ), später, nachdem die nachfolgenden Liturgiker die Ge-danken ihrer Vorgänger unablässig wiederholt und zum Theil wörtlich aus-geschrieben hatten, mit so grosser Zuversichtlichkeit, als ob nicht das gottes-dienstliche Bediirfniss das Ursprüngliche wäre, sondern vielmehr dasSymbolische, und die baumeisterlichen Gedanken schlechthin davon ab-hängig. Letzteres war in Beziehung auf manche Baugebräuche (die Orien-tirung nach dem Aufgang aus der Höhe, die ehrwürdige Grundform desKreuzes, die zwölf Grundsteine oder zwölf Säulen der Kirche mit Beziehungauf die Apostel) und bei manchen einzelnen kirchlichen Bauwerken auchunläugbar der Fall, wie, nachdem die Deutung einmal gegeben war, beidem symbolischen Grundzuge der christlichen Kunst leicht erklärlich ist.

Ein bemerkenswerthes Beispiel in dieser Hinsicht bietet die zu der Gat-tung der heil. Grabkirchen gehörige kleine Kapelle zu Drüggelte bei Soest,wo der Symbolik zu Liebe selbst gegen das Ebenmaass gefehlt ist. Es istein zwölfeckiges Gebäude, dessen Inneres von nur 33 F. im Gesammt-durclimesser zwei concentrische Säulenkreise enthält: den inneren von

7 1 /» F. D. mit vier eine Kuppel tragenden kurzen, den äusseren grösserenmit zwölf schlanken Säulen. Ohne Zweifel bezeichnen die letzteren, wieschon in der oben erwähnten Constantinischen Kirche des heil. Grabes, diezwölf Apostel, die vier inneren Sänlcn dagegen die vier Evangelisten. undzwar sind von diesen zwei auffällig stärker gebildet als die beiden andern :jene, die Evangelisten Matthäus und Johannes bezeichnend, die zugleichApostel waren und deswegen von höherer Würde, diese, die beiden anderenEvangelisten Marcus und Lucas. 2 )

Eine reiche Zusammenstellung solcher Deutungen findet sich in demberühmten liturgischen Sammelwerke, das Bischof Wilhelm Durand vonMende (-j- 1270) unter dem Titel Rationale, divinorum ojficiorum abfasste,und welches im Mittelalter sehr viel benutzt wurde. Vieles darunter ist

1) Der gleichzeitige Fuldaer Mönch Candidus z. B. beschreibt die auf dem dor-tigen Klosterfriedhofe von dem Abte Aegil durch den Mönch Racholf um 820 erbautekleine Rundkirche (s. oben S. 18) und fügt hinzu: »IIoc siquidem aedißeium pateriste venerandus ac supra commemoratus magister cum sociis nesc io quid magni Jin-gentes divino magisterio docti, qxod tarnen ipse salva ßde Christi et ecclesiae putopraes ignari posse figuram .« Nun folgt die Deutung der acht den Mittelbau tra-genden Säulen auf die acht Seligkeiten und der Rundform der Kirche auf das Reichder ewigen Herrlichkeit, in den bescheidenen Ausdrücken : »Octo eolnmnae .... me-reantur haberi ; circulus .... non incongrue significare videtur .« — Brewer, Sideraillust. et sanct. virorum Germaniae (Mogunt. l(il(i) p. 2(1; vergl. Dronke u. v. Las-saulx, die Matthias-Kapelle zu Kobern, S. 50.

2) Nach Erklärung des Domdechanten Nübel zu Soest; vergl. Zeitsehr. fürBauwesen (1S54) 1, 400 und den umstehenden Grundriss Fig. 34.