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1 (1868)
Entstehung
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Nonnenchöre,

chor) überwiesen waren. — Der Einbau vorspringender Bühnen zurAufstellung der Orgel (Orgelchöre) wurde erst später gebräuchlich,und die Einrichtung durchgehender Emporen (Mann chöre) in man-chen Hallenkirchen des XVI. Jahrhunderts scheint vorzüglich aufdie Zwecke des Predigtgottesdienstes berechnet zu sein.

In dem nach byzantinisch - ravennatischem Muster errichteten karo-lingischen Centralbau des Aachener Münsters war die ringsumlaufendeEmpore (solarium ) , auf welcher dem Altäre gegenüber der Stuhl desKaisers steht, für die Hofgemeinde bestimmt: eine Einrichtung, die auchin späteren Schlosskapellen (s. oben S. 21.) wiederkehrt, und vermuthlichdie Veranlassung dazu war, dass Kugler, der das Verdienst hat, aufdie in der romanischen Periode so häufig vorkommende Anordnung einerwestlichen Empore über der Vorhalle zuerst hingewiesen zu haben, die-selben (Kunstgesch. 2. Aufl. S. 472) als unzweifelhaft zum Aufenthaltevorzüglich angesehener Besucher (namentlich etwa der kaiserlichen Fa-milie) bestimmte Logen bezeichnete, während es doch, wie spätere Er-gebnisse darthaten, grösstentheils Nonnenchöre sind : so in den Kirchender Frauenklöster zu Essen, Maria auf dem Capitol zu Cöln, zu Ott-marsheim, Gernrode, Quedlinburg, Drübeck, Gandersheim, St. Moritz inHildesheim, Fröndenberg a. d. Ruhr, Oesede bei Osnabrück, Asbeck imMünsterlande, Dom zu Gurk etc. Besonders bei den Cisterzienser- undPrämonstratensernonnen dehnen sich diese Emporen zuweilen sehr weitnach Osten aus und theilen selbst das ganze Kirchenschiff in zwei Etagen,deren obere für die Schwestern, die untere für das Volk bestimmt war:St. Thomas a. d. Kyll. Altenberg a. d. Lahn, Neuendorf in der Altmark,Hecklingcn bei Stassfurt, Wienhausen a. d. Aller (hier mit noch erhal-tener liturgischen inneren Einrichtung), Lünen bei Lüneburg, Mühlberg,Langenhorst in Westfalen, Gnadenthal bei Schwäbisch-Hall etc. — Vonder Bestimmung der Emporen in Mönchsklöstern für weibliche Kirchen-besucher finden sich schon aus der Zeit der byzantinischen Oberherrschaftin Rom zwei Beispiele: S. Lorenzo vom Ende des VI. , und S. Agnesevom Anfänge des VII. Jahrhunderts, beide ausserhalb der Mauern beiden Katakomben belegen, und mit einer Langseite gegen einen Hügelgelehnt, von welchem aus die Frauen ihren besonderen Eingang zu denEmporen hatten, in strenger Gcschiedenheit von den Mönchen des Klo-sters. j ) Nach Analogie dieser Einrichtung liegt die Vcrmuthung nahe,dass die in deutschen Mannsklöstern zuweilen vorkommenden Emporendenselben Zweck hatten; wie z. B; in St. Michael zu Hildesheim, wo diein den Kreuz vorlagen angeordneten Emporen wohl sicherlich für die Frauenbestimmt waren, deren zwar nach den alten Statuten nur sieben bejahrteals Nonnen sollten aufgenommen werden dürfen, während jedoch gegen dasJahr 1247 eine solche i>muUitudo monialium « vorhanden war, dass die Ein-künfte des Klosters nicht mehr ausreichen wollten, welches überdies durchdas Zusammenwohnen beider Geschlechter seinen Ruf gefährdet hatte. * 2 )

1) Lenoir, Arehitecture monastique I, lOS u. 1(19.

2 Chron. Monast. St. Michaelis in Meibom, Her. Germ. 2, 520.