Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
70
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wenn die Gicbelwände desselben gegen die Thurmmauern lehnen (Kirchezu Gernrode, Klosterkirche zu Jerichow etc.), schliessen Vorder- undRück-wand in wagerechter Linie ab, und das Dach erscheint als Satteldach oder(wie am Strassburger Münster) als Plattform; wenn dagegen die Stirn-wände, dem Aufstreben der fiankirenden Thürme entsprechend, in Giebel-dreiecken endigen, fallen die schrägen Dachflächen nach den Thurmseiten(Dome zu Merseburg, Halberstadt, Magdeburg etc.). — Kirchen mit gleichhohen Schiffen sind entweder mit einem colossalen Satteldache gedeckt,zu dessen Dachstuhl das Holz ganzer Wälder verbraucht wurde'), oderes finden sich drei Paralleldächer, den drei Schiffen entsprechend (Essen),oder die Seitenschiffe haben auch hier, der Zahl der Joche entsprechend,einzelne Giebeldächer, welche in das Dach des Mittelschiffes einschneiden(Dome zu Paderborn, Wien, Merseburg etc.); die Liebfrauenkirche zuBremen hat über ihrem dreischiffigen Langhause durchgehende paralleleQuerdächer.

Die Anwendung hölzerner Dachschindeln itcgulae fissae) erklärt dievielen Kirchenbrände des Mittelalters : es giebt kaum einen Dom, dernicht mehrmals ein Raub der Flammen geworden wäre. — Bleibedachun-gen kommen schon frühzeitig vor, aber nur bei ausgezeichneteren Gebäuden(wie beim Münster zu Aachen um 800i ; das theure Kupfer blieb seltenund wurde wohl nur zu Thurmdächern benutzt. Abgesehen von Schiefer-dächern ist auch die Verwendung anderer Steinplatten (z. B. auf demChorumgange des Domes in Magdeburg) nicht häufig ; der Dom zu Pragwurde 1276 » tegulis lapideis« gedeckt. 2 ) Die aus Ziegeln erbauten Kir-chen wurden auch mit Ziegeln gedeckt: Hohlziegel, volksmässig » Mönchund Nonne« genannt; auch r*j förmige, s. g. Fittigziegel; die jetzigenBreitziegel (Bieberschwänze) erscheinen als neuere Erfindung. Die erstenDachziegel (lateres ad tegulam ) in Sachsen hat Bischof Bernward vonHildesheim um das J. 1000, und zwar nach eigener Erfinduug (»nullomonstrante «) verfertigt. i ) Geringe Landkirchen waren oft nur mit Rohroder Stroh gedeckt, und es finden sich selbst heute noch (in Meklenburg,Preussen etc.) einzelne Beispiele davon.

27. Der Fussboden der meisten mittelalterlichen Kirchen istjetzt mit Grabsteinen belegt, wo nicht neue .Bedeckungen mit Fliesenstattgefunden haben. Ursprünglich war die römische Sitte der Musiv-fussböden auch in die christliche Basilica iibergegangen, und nochdas frühere Mittelalter pflegte dergleichen Buntpflaster, das nichtbloss in Teppichmustern, sondern selbst in eigentlich malerischenDarstellungen bestand, häufig anzuwenden. Später, etwa seit demEnde des XII. Jahrhunderts fanden Ziegelplatten mit eingelegten

I, Der ungeheure fast 80' hohe Dachstuhl über der 336' langen und 128' breitenMünchener Frauenkirche von 1488 erforderte das Holz von 140 Flössen, das Floss zu15—16 Bäumen gerechnet.

2) Fiorillo, Gesch. der zeichn. Künste in Deutschland 1, 115.

3) Ebd. S. 79.