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Bauzeichnungen.
die nördliche Kirche aus Tuff, die südliche aus Sandstein gebaut ist. — EinBaumaterial, welches aus einem für plastische Details untauglichen Steinebesteht, bedingt stets Einfachheit und Schlichtheit der Gebäude. So mages der grobkörnige spröde Sandstein verschulden, dass die Kirchen imbayerischen Allgäu (Kempten etc.) jeder edleren und feineren Dctailbildungentbehren, ebenso wie die Schmucklosigkeit der älteren westfälischen Bautenvon der Verwendung des porösen Mergelsandsteins bedingt ist.
Anmerkung 2. Alte Originalbaurisse, wie deren, auch inFacsimile veröffentlicht'), mehrfach auf unsere Zeit gekommen, sind aufPergament gezeichnet, das hei grösseren Zeichnungen durch Riemen künst-lich zusammengeflochten ist. Schattenlinien kommen nie vor, wohl abersind die Profile oft, in den Grundriss eingezeichnet und schwarz ausschattirt.— Der älteste und in archäologischer Hinsicht wichtigste unter diesen Plä-nen ist der (vielleicht zu Fulda) entworfene Bauriss für das Kloster St.Gallen vom J. S20, als Musterplan für ein grosses Benedictinerkloster derdamaligen Zeit von grossem Werthe. Derselbe, SV» X 2% F. gross, be-steht aus vier zusammengenähten Häuten und stellt in rothgezeichnetenLinien den Grundriss sämmtlicher zum Kloster gehörigen einzelnen Gebäudeund Anlagen dar, wobei hin und wieder die Aufrisse in horizontaler Pro-jection mit angegeben sind. Die Bedeutung der Zeichnung gewinnt wesent-lich dadurch, dass Erklärungen alles Einzelnen, meist in lateinischenHexametern abgefasst, (mit schwarzer Farbe) eingeschrieben sind; dieMaasse sind jedoch nur bei der Kirche hinzugefügt. — Die sonst noch be-kannt gewordenen Bauzeichnungen (Visirungen) sind aus späteren Jahrhun-derten, zum Tlieil erst vom Ende des M. A. ; die wuchtigsten unter den-selben sind die sechs Risse des Doms von Cöln, namentlich die Zeichnungender Westfront 1 2 ), welche jedoch nicht dem ursprünglichen Plane, son-dern der letzten und zugleich bedeutendsten Um- und Ausbildung desselben(etwa dem zweiten Viertel des XIV. Jahrh.) angehören; ausserdem sind zunennen die Risse der Domthürme von Regensburg, Ulm, drei des Domes vonFrankfurt a. M., drei vom Münster zu Strassburg, eine ziemlich ungeschickteZeichnung des (unvollendeten) Wiener Stephansthurms etc. — Ausser der-gleichen Bauzeichnungen sind auch noch einige deutsche, spätmittelalterlicheSchriften über Architektur und Geometrie 3 j auf uns gekommen, im Ganzen
1) Möller, G., Facsimile der Originalzeichnung des Doms zu Köln. 2. Aull.1837. — Keller, Ferd., Bauriss des Klosters St. Gallen (in */ B Grösse des Origi-nals). 18-14; in verkleinerter Form in Otte, II., Gesell, der deutschen Baukunst.S. 92. — Facsimile einer in der Bauhütte bei St. Stephan in Wien befindlichenIlandzeichnung von 1517 zu dem unvollendeten Thurm. 18-17. — Schmidt, Ohr.W., Facsimiles der Originalpläne deutscher Dome (Cöln, ltegensburg, Ulm, Frank-furt a. M., Strassburg; zum Tlieil 6 — 7 F. gross). 1850.
2) Eine sehr grosse Copie des alten Planes der Cölner Dom-Tliurmfacade vonS chinkel befindet sich im Schinkel-Museum der Königl. Bauakademie zu Berlin.Der Originalriss selbst, unten ,'j F. breit, 15 F. hoch, wurde von dem Maler Seekatzauf dem Dachboden des Gasthauses zur Traube in Darmstadt im J. 181-1, zerrissenund beschmutzt, unter altem Geräthe gefunden, von diesem dem dortigen Ober-baurath Möller überlassen und von letzterem im J. 1817 dem Könige von Preussenverehrt. Bei der späteren Wiederaufnahme des Dombaues kam die Zeichnung wiederin das Domarchiv zu Cöln zurück.
3) Ein Verzeichniss solcher Schriften giebt IlofStadt, Goth. ABC. S. 165 ff.