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1 (1868)
Entstehung
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Kreuzform. Kapellen.

falen (Dom zu Paderborn etc.) , auch am Oberrhein (Klosterkirche zuLimburg a. d. H., Dom zu Constanz, Mittel- und Oberzell auf der InselReichenau, Petri - Paulikirche zu Hirschau , Pfarrkirche zu Persehen inder Oberpfalz) und bei den Cisterziensern (zu Loccum, Riddagshausen,Campen, Maulbronn, Rebenhausen, Kappel in der Schweiz etc.) etwabis zur Mitte des XIII. Jalirh. vor, später besonders im Norden undvorzugsweise in Preussen.

Kirchen in der Grundform des gleicharmigen, s. g. griechischenKreuzes (-(-) finden sich im Abendlande mir bei unbedeutenden Gebäudenund sehr vereinzelt vor (Dorfkirchen zu Wlnoves und Bochnitz in Böhmen,Schlosskirche zu Querfurt, Nicolaikirche zu Pasewalk) ; dagegen habenalle grösseren Kirchen in Deutschland bis etwa nach der Mitte des XIII.Jahrhunderts, zumal Stifts- und Klosterkirchen, die Grundform des s. g.lateinischen Kreuzes (fi), die älteren halbrund, jüngere aus dem Vieleckgeschlossen. In späterer Zeit kommt die Kreuzform ungleich seltenervor, vorzugsweise selten bei Pfarrkirchen, welche namentlich in der be-züglichen Zeit neugebaut wurden (Dom 'zu Stendal, Marienkirchen zuRostock und Stralsund aus dem XV. Jahrh.), und wie es scheint, haupt-sächlich nur da, wo auf der Stelle des Neubaues früher schon eine Kreuz-kirche gestanden hatte.

Anmerkung. Dass die Kreuzform des Kirchengrundrisses bereitsursprünglich symbolisch gemeint gewesen sei, lässt sich allein aus der früh-zeitigen sinnbildlichen Auflassung 1 ) derselben zwar allerdings nicht beweisen,ist jedoch wahrscheinlich: nicht bloss wegen der altchristlichen Vorliebegerade für dieses Symbol, sondern auch wegen der anscheinend keineswegsim strengen Bedürfnisse begründeten Anordnung des Querscliifles 2 ) undwegen der ursprünglich eigentlich doch nur im Grundrisse oder in der Vo-gelperspective wahrnehmbaren Kreuzgestalt der Kirchen ohne eigentlicheKreuz Vorlagen.

15. Gottesdienstliche Gebäude, welche bloss zum Gebete oderPrivatgebrauche bestimmt sind, heissen Kapellen oder Oratorien.Sie sind gewöhnlich nur klein, haben verschiedene Grundformen undkommen häufig als An- oder Einbauten der Kirchen vor.

Unter den kirchlichen Nebengebäuden war in altchristlicher Zeitdas hauptsächlichste die Taufkapelle (baptislerium), welche aus einemVorgemache und dem Hauptraume mit dem Wasserbecken ( piscina ) be-stand und in der Nähe der Hauptkirchen errichtet war. Gewöhnlich war

1) Schon Gregor von Nazianz im IV. Jahrh. (Somnium Anastasiae, carmen IX,t. II. p. 79) u. Procop im VI. Jahrh. (de aedificiis Justiniani p. 13) sehen in dervon Oonstantin dem Grossen zu Constantinopel erbauten Apostelkirche die Gestaltdes Kreuzes. Vergl. Lenoir, Architecture monastique 1, 253.

2) Kinkel (Gesell, der bild. Künste 1, 60) erklärt es zwar für anscheinendsicher, dass man den Kirchen aus symbolischen Gründen das Querschilf hinzugefügthabe, meint jedoch, dass auch architektonische Gründe mitgewirkt haben möchten,worüber er Vermuthungen ausspricht; Schnaase (Gesch. der bild. Künste IV.1, 291) dagegen hält die symbolische Beziehung sehr für Nebensache.