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1 (1868)
Entstehung
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Einleitung.

Ausführung seines Werkes keine andere Schranke, als die ihm gesetztwird von der christlichen Ethik, was man auch in dem paradox klingendenSatz aussprechen kann: Zwischen der heiligen und der so genanntenprofanen Kunst ist kein specifischer Unterschied. 1 ) Von dieser christlichenKunst im weiteren und weitesten Sinne unterscheidet sich die kirchlicheKunst, die ausschliesslich das Heilige darzustellen die Aufgabe hat undsich dabei an den weniger durch kirchliche Vorschriften, als durch dieUeberliefcrung sanctionirten kirchlichen Typus zu binden gehalten ist.Willkürliche Abweichungen von dem hergebrachten Typus behindern denZweck des kirchlichen Kunstwerkes: denn das Fremdartige, statt dieGemeinde zu erbauen, bleibt derselben unverständlich und gereicht ihrzum Aergerniss. So war man noch neuerdings genöthigt, ein nachdem bekannten Schinkelschen Entwürfe verfertigtes Crucifix von demAltäre einer evangelischen Kirche wieder zu entfernen, weil die Gemeindedurch die Abweichungen vom hergebrachten Typus, die sich der Künstleraus ästhetischen Rücksichten gestattet hatte, beirrt und in ihrer Andachtgestört wurde. Das schöne Crucifix war zwar ein echt christliches, aberkein kirchliches Kunstwerk.

7. Der kirchliche Typus gestattet eine die heiligen Zwecke deschristlichen Kunstwerkes nicht beeinträchtigende und der weiterenEntwickelung fähige Bewegung des schaffenden Künstlers; wennaber der Typus erstarrt, wird die Kunst Handwerk.

1* Der feste Typus ist den didaktischen Zwecken der kirchlichen Kunst-

werke geradezu förderlich und gestattet, was die erbauliche Seite anbe-trifft, dem Künstler eine schöpferische Thätigkcit, da eben nur die äussereDisposition vorgeschrieben werden kann , keineswegs aber der geistigeInhalt. Ausserdem ist der Typus, ebenso wie das Dogma, der geschicht-lichen Ausbildung und Entwickelung unterworfen, modificirt und ändertsich daher im Laufe der Zeit, gewöhnlich aber nur allmählich und deshalberst nach geraumer Zeit merklich. Wo, wie in der griechischen Kirche,die Lehrentwickelung für immer abgeschlossen ist, musste auch der Typuserstarren, und die Kunst ist zum Handwerke geworden, da immer nurdie traditionelle Schablone befolgt und nachgeahmt wird. Zu bemerkenbleibt, dass sich in der kirchlichen Kunst nur für gewisse wichtige unddarum häufig wiederkehrende Darstellungen ein bestimmter Typus bildenkonnte, während seltenere Stoffe den Künstlern freie Bewegung desSchaffens verstatteten.

8. Vorstehende Sätze bestimmen im Allgemeinen den Standpunktfür die nachfolgende Behandlung der kirchlichen Kunst-Archäologiedes christlichen Mittelalters.

Die wechselseitigen Beziehungen zwischen der christlichen Religionund der Kunst haben behandelt,

vom Standpunkte der evangelischen Kirche :

Meyer, C., über das Verhältnis der Kunst zum Cultus. Zürich 1837.Alt, II., die Heiligenbilder oder die bildende Kunst und die theol. Wissen-

1) Vergl. Christi. Kunstblatt 185!) S. I.