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1 (1868)
Entstehung
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Einleitung.

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4. Das christliche Kunstwerk gellt aus dem christlichen Geistehervor und ist eine von den Formen, in welchen er sich darstcllt: dieEinbildungskraft, eines ungläubigen Künstlers kann ein christlichesKunstwerk niemals erzeugen.

Die Gaben und Kräfte sind verschieden, und da es in der christlichenGemeinde solche Glieder giebt, welche das Charisma empfangen haben,das Heilige in sich künstlerisch zu gestalten, so treibt sie der Geist, dersich nicht dämpfen lässt, dieses Innerliche auch äusserlich künstlerischdarzustellen. Dadurch entsteht das christliche Kunstwerk, als eine denalso Begabten naturgemässe und nothwendige Form des Zeugnisses,dessen die Kirche nur zu ihrem grossen Nachtheile dürfte entbehrenwollen. 1 ) Das Zeugniss aber kommt aus dem Glauben, und, wo dieserfehlt, wird auch jenes ausbleiben. Wenn also ein ungläubiger Künstlersich unterfinge das Heilige darzustellen, so würde das Product nur äussereForm sein ohne wahren, geistigen Inhalt, also kein Kunstwerk, sonderneitel falsches Zeugniss.

5. Wenn irgend ein Kunstwerk sich für eine erschöpfende Dar-stellung der schlechthin unerschöpfbaren christlichen Idee giebt oderabergläubisch damit identificirt wird: so ist es Idol.

Es ist nicht gemeint, als ob jemand sollte unter den Christen sothöricht sein, sich seinen Gott selbst machen zu wollen, sondern es sollnur die Warnung davor ausgesprochen werden, als ob es Bilder gebenkönne, die, auch abgesehen von ihrem innerlichen Wert he als Erzeugnissechristlicher Kunst, vor anderen besondere Heilskräfte besässen. » Wennein Bild auf gerichtet wird, dafür man sich fürchtet und einen Glaubendarauf setzet, das reisse man hinweg; so es aber nicht ein Götze ist oderAltar, dass man die Kniee davor beuget, auch nicht einen Gottesdienst darausmacht, so ist es nicht ein Götze, sondern ein Bild, das du behaltest und istrecht und gut. Das ist der Unterschied zwischen Bildern und Götzen .«Luther bei Waleh III. S. 2(126. Nur ästhetisch gebildete Götzen-anbeter dienen schönen Idolen, die Götzen der Ungebildeten sind hässlich.

6. Die christliche Kunst ist eben so frei und unbegrenzt wie diechristliche Idee, die kirchliche Kunst dagegen hat sich den kirchlichenTypus als Grenze gesetzt.

Die freie Bewegung der christlichen Kunst, wie der christlichenIdee, bezieht sich selbstverständlich zunächst nur auf das specifischchristliche, also auf das religiöse Gebiet; da aber das christliche Elementdie alle Verhältnisse und Biclitungen des Lebens durchdringende undtragende Macht zu sein die Bestimmung hat, so breitet sich das Gebietder christlichen Kunst auch über alle profanen Lebensverhältnisse aus,und der christliche Künstler hat bei der Wahl seines Stoffes und bei der

I) «Auch bin ich nicht der Meinung, duss durchs Evangelium sollten alle Künstezu Boden geschlagen werden und vergehen, wie etliche Abergeistlichen fürgeben : son-dern ich wollte alle Künste, sonderlich die Musica, gern sehen , im Dienste des, dersie gegeben und geschaffen hat.« Luther in der Vorrede zu den geistl. Liedern 1527.

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