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1 (1868)
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Einleitung.

diesem Geiste Zeugniss ablegen, und ihre Werke werden ein lebendigerAbglanz desselben sein. Hamit ist zugleich der Maasstab gegebenfür den Werth eines christlichen Kunstwerkes, der nicht nach den viel-leicht mangelhaften Kunstformen bestimmt werden kann, sondern alleinnach dem daraus sprechenden Geist. Hieraus erklärt sich die schöneWirkung der altchristlichen Wandmalereien in den Katakomben, obschondieselben in den verdorbenen spätrömischen Formen ausgeführt sind, unddie oft gänzliche Wirkungslosigkeit mancher neuer, in akademischen For-men glänzenden Darstellungen.

3. Der Zweck der christlichen Kunst ist Belehrung und Erinne-rung einerseits, Erweckung und Erbauung andrerseits; sie nimmtdaher Verstand und Gemiith gleichzeitig in Anspruch.

»Quod legentibus scriptura, hoc idiotis pracstat pictura cernentibus.«Gregorii M. Epist. lib. IX. ind. IV. ep. 9 (0pp. T. IV. p. 349 ed.Antverp.) »Dum nobis ipsa pictura quasi scriptura ad memoriam filiidei reducit, animum nostrum aut de resurrectione laetificat, aut de passionedemulcet.« Ibid. lib. VII. ind. II. ep. 54 (p. 271). »Frangi vero nondebuit, quod non ad adorandum in ecclesiis, sed ad instruendas solummodomentes fuit nescicntium collocatum .« L. c. p. 349. Mit diesen Grund-sätzen Grcgors des Grossen (gest. G04) über den didaktischen undasketischen Werth der bildenden Künste im Dienste der Kirche wird diereine Mitte eingehalten zwischen der Bilderverehrung einerseits und derBilderstürmerei andrerseits. »Der Missbrauch hat die Bilder böse gemacht;noch haben wir sie nicht zu verwerfen. Denn wenn ivir wollten alles ver-werfen, dess man missbrauchet, ivas würden wir vor ein Spiel zurichten ?«Luther in der 4. Fred, wider die Schwarmgeister (Walch XX. S. 35). »Wollte Gott, ich könnte die Herren und Reichen dahin bereden, dasssie die ganze Bibel inwendig und auswendig an den Häusern vor jedermannsAugen malen Hessen. Das wäre ein christliches Werk.« Derselbe beiWalch ebd. S. 212. Bei Zwingli und Calvin war die Besorgnissvor dem Bilderdienste zwar grösser, doch finden sich auch in ihrenSchriften Stellen, wo sie geschichtlichen Bildern einen gewissen didakti-schen und asketischen Werth zugestehen. »Dass sie (die Stürmer ) aberum aller Bilder willen also kämpfen, ist ein Irrsal. Warum? Dammdass sie auf den Buchstaben und nicht auf den Sinn des Gesetzes sehen.«Zwinglis Werke, herausgegeb. von Schüler und SchulthessII. 1, 46. »Neque tarnen ea superstitione teneor, ut nullas prorsus imaginesferendas censeam. Sed quia sculptura et pictura Dei dona sunt, purum etlegitimum utriusque usum requiro : ne quae Dominus in suam gloriam etbonum nostrum nobis contulit, ea non tantum polluantur praepostero abusu,sed in nostram quoque perniciem convertantur. Res tat igitur ut easola pingantur ac sculpantur, quorum sint capaces oculi .... historiaeac res gestae .... usum in docendo vel admonendo aliquem habent.« Cal-vini Inst. rel. ehr. 1. I. c. XI. s. 12, ed. Tholuck I, 81. Im Ge-gensätze gegen die ikonolatrische Praxis des katholischen Volkes, die siebekämpften, sprechen sich die Reformatoren und die protestantischenSymbole allerdings bilderfeindlich aus.