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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
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Luther gebraucht nach einer Schätzung von U. Lucä ^000f2000, Uliltonün Verlorenen Paradies 8000, das Alte Testament 6000. Aber einige alt-klassische Schriftsteller habe ich allerdings nur oberflächliche Schätzungen vor-genommen und bin dabei zu dein überraschenden Ergebnisse gelangt, daßlhomeretwa 8000 Wörter hat, sein Nachahmer Virgil 6200, Ovid und lhorazetwa -f600, Arrian q.000, Tenophon z200, Eornelius Nepos ZfOO. DieseZahlen lassen es begreiflich erscheinen, wenn Ular Uküller behauptet, ein ge-bildeter Engländer komme mit ZOOOisOOO Wörtern in seinem Leben aus.Za Tcnner berechnet sogar in seinen: Buche über Amerika jS. chf), daß einAmerikaner mit 600 englischen Wärtern bequem ausreiche, während ein Deutscherdafür 2000 Wörter gebrauche: er findet darin einen-Grund, weswegen sich dasDeutsche in Amerika gegenüber den: Englischen nicht halte.

Diese Zahlenangaben, mögen sie genau oder nicht genau sein, beweisensicherlich so viel, daß der einzelne Deutsche von dem gewaltigen Reichtume,welchen seine Sprache ihm bietet, nur einen ganz kleinen: Bruchteil wirklich be-nutzt. Denn: hätte er selbst den: Wortschatz eines Shakespeare was sindtzöOOO Wörter gegenüber 2f6000! Wendet er nun aber auch noch eine NIengeFremdwörter an, so liegt es aus der befand, daß er entsprechend weniger deutscheAusdrücke benutzt, daß also der Gebrauch der Fremdwörter eine Vernach-lässigung der Ucuttersprache in: Gefolge hat. Das kann jeder an sichselbst beobachte,:. Wer immer Neveu und Lousin sagt, gebraucht nicht diedeutschen Ausdrücke Neffe und Vetter, wer von Resultaten, Toasten, Annoncen,Partien oder Touren spricht, vernachlässigt die deutschen Wörter: Ergebnis,Trinkspruch, Anzeige, Ausflug. So giebt es viele Deutsche, welche Wörter wieSchranke, Gedeck, Erdgeschoß, Vorausbezahlung, Gegenseitigkeit, Entwurf, Be-förderung, begründen, verfügen, beglückwünschen, berichten, ermächtigen, gegen-über, ausgeschlossen, eingeschlossen, einstweilig u. a. überhaupt nicht in: Wundeführen, sondern nur reden von: Barridre, Eonvert, fdarterre, sdränumerando-zahlung, Reciprocität, Eoncept, Avancement, motivieren, disponieren, gratulieren,referieren, autorisieren, vis-i: vi^, exclusive, inclusive, interimistisch. Daß ans dieseWeise Wörter leicht verloren gehen können, läßt sich unschwer begreifen. Denguten deutschen Ausdrücken Nmhme für Tante, Oheim für Onkel, Weise fürNkelodie ist es beinahe schon so ergangen.

Aber wenn auch unsere Gegner den Reicht::::: unserer Sprache anerkennen,behaupten sie doch, daß dieselbe für gewisse Begriffe und Begriffsseinheiten nichtgenug Ausdrücke habe, daß viele Fremdwörter sich durch einheimische Wörtereben nicht ersetzen lassen. Das sehe man an den Verdcutschungswörterbüchern,welche oft bei einen: Fremdworte eine ganze Reihe deutscher Ersatzwörter auf-zählen, zwischen denen man eine Auswahl treffen solle. Gerade darin siehtRümelindie schlagendste Rechtfertigung für das Fremdwort selbst" (S. 22).

Dies ist ein s?u::kt, über welchen nicht nur bei den Gegnern der Sprach-reinigung, sondern auch bei den Freunden derselben noch vielfach Unklarheitherrscht. Viele verlangen in der Thal, daß für jedes fremde Wort nur ein