möglichen Motive weltlichen oder philosophischen Inhalts, die Schöpfung der Welt,die Entstehung der freien Künste, die Arbeiten des Landbaues, den Thierkreis, denKampf der Tugenden und der Laster, das menschliche Leben und das Schicksalsradvom Wechsel des Irdischen, die Begebenheiten des Neuen Testamentes in Verbindungmit den Vorbildern des alten Bundes, das Leben Mariä und des Erlösers, besondersden Stammbaum Jesse, das letzte Gericht, die Hölle, das Paradies, den himmlischenHof, den Triumph Christi, die Versammlung aller Heiligen, das Lob des Schöpfers,die himmlische Hierarchie, „überhaupt einen wahren Blumenstrauss christlicher Ikono-graphie“
Am reichsten war die Ausstattung des Chors; dem Heiligthum,dem Mittelpunkt des christlichen Gottesdienstes gab der Künstler dielebhaftesten und kräftigsten Farben. In den Chorfenstern brachte erBilder aus der Passion an, Apostel, Evangelisten, Märtyrer und Bekenner.Das Mittelfenster war meist dem göttlichen Heiland gewidmet; vielfachenthielt dasselbe die Kreuzigung, manchmal den Salvator mundi, ineinzelnen Kirchen die Gottesmutter oder den Patron der Kirche. ImChorumgang wurden die Legenden der Kirchenpatrone oder die Haupt-züge aus dem Leben des Herrn und der h. Maria untergebracht. DieQuerschiffe enthielten häufig für sich abgeschlossene symbolische oderallegorische Darstellungen, so z. B. die streitende und die triumphirendeKirche. In den Hochfenstern des Langhauses standen die grossenGestalten von Patriarchen, Propheten, Königen, Bischöfen oder h. Jung-frauen, während die niedrigen Seitenschifffenster mit Vorliebe für dieAnbringung von Legenden einzelner Heiligen benutzt wurden. In denTriforienfenstern bildeten Grisaillen oder farbige Mosaikteppiche dieGlasfüllung. Im grossen Westfenster wurde die Darstellung des jüngstenGerichtes bevorzugt *).
Eine in vielen französischen Fenstern wiederkehrende Besonderheitsind die Widmungen der Zünfte. Während einzelne Donatoren in denuntern Feldern oder im Masswerke knieend, manchmal ein Modell desFensters emporhaltend, abgebildet wurden, verewigten sich die Zünftedurch die Darstellung ihres Werkstättenbetriebes. So sieht man aufalten Glasmalereien zu Chartres, Bourges, Amiens usw. die Maurer undSteinmetzen, die Zimmerleute, Tischler, Metzger, Schmiede, Schuster undSeiler bei der Arbeit, den Kaufmann und Händler im Laden die Kundenbedienend usw.
Wenn man den grossen Bogen betrachtet, in welchem sich dieArbeiten des 12. Jahrhunderts von Poitiers aus über Angers, Le Mans,Chartres, St. Denis, St. Quentin, Reims, Chalons vertheilen, so erscheint
Q Didron, Ann. archeol. t. X, p. 2.
Vergl. über die Ausstattung der Kirchenfenster Lasteyrie, Quelques motssur la theorie de la peinture sur verre, Paris 1852.
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