versichert, dass bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts alte Glasmalergegen das dekorative Gefühl gefehlt und nach dramatischer 'Wiedergabegestrebt haben, wenn Woltmann 1 ) an den Prachtfenstern von Königs-felden rügt, dass der Teppichstil nicht mehr in der früheren Reinheitund Gleichmässigkeit festgehalten sei, dann darf inan wohl mit Rechtfragen, wann denn eigentlich die richtigen „teppichartigen Glaswirkereien“hergestellt wurden, ganz zu schweigen von den vereinzelten Versuchender Alten, durch reichlichere Modellirung, durch richtigere, natürlichereLicht- und Schattengebung den Eindruck der Natur nachzuahmen.
Entgegen den vielgebrauchten Bezeichnungen „Glaswirkerei“ und „Glas-bildnerei“ halten wir an den Worten „Glasmalerei“, „ Glasgemäl de“ fest,welche, seit Jahrhunderten als wörtliche Uebersetzung der alten lateinischen Ausdrückein Gebrauch, den Begriff klar und deutlich bezeichnen, und deshalb auch in Zukunftin Geltung bleiben mögen. Ueberdies passt das Wort „Wirkerei“, weil der Teppich-weberei entnommen, in diesem Sinne nicht zu unserer Technik, ebensowenig dieBezeichnung „Bildnerei“, die eher in das Gebiet der plastischen Verzierungen bei derHohlglasfabrikation gehören dürfte.
1. Das künstlerische Können und Wollen der Alten.
Die Glasmalerei der Frühzeit ist eine gewisse Verkörperung derWand- und Miniaturmalerei: Farbige Glasstiicke bilden die körperhafteAusfüllung der Flächen, starke Bleie die Konturen. Wegen der kräftigenStrichführung in einzelnen Buch- und Wandmalereien beliebt man zuweileneinen Einfluss der Glasmalertechnik auf jene Künste anzunehmen, obschones zweifelsohne näher liegt, die starke Betonung der Umrisse auf dasBediirfniss nach möglichster Deutlichkeit zurückzuführen. Die derbe,energische Zeichnung, die nur dürftige Andeutung der Schatten, dieAnwendung ungebrochener Töne entsprach eben dem künstlerischenKönnen und der kindlichen Auffassungsgabe der damaligen Zeit, derenerst beginnende Bildung einfache, aber bestimmte Darstellungsweise ver-langte. Für das ungeübte Auge der Alten, welche mit der Andeutungdes Inhaltes zufrieden waren, genügte die mangelhafte Form, wie auchheute unsere Kinder schematisch hingeworfene Bilder besser verstehen,als vollendete Gemälde.
Dem beschränkten Können entsprechend, war die Zeichnung inder Glasmalerei der Frühzeit schlicht, unbeholfen und oft auch fehler-haft, manchmal roh und formlos. Die ältesten Arbeiten tragen denStempel der korrupten Antike. Plump und linkisch gezeichnete Figurenvon steifer, strenggliedriger Haltung, starrer Gesichtsausdruck, einförmiger
') Woltmann, A., und Woermann, K., Geschichte der Malerei, 3 B.Leipzig 1879 u. f. T, S. 380.
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