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eben in dem natürlichen Farbensinn der Alten, den Viollet-le-Duc selbstan anderer Stelle als Hauptgrund voraussetzt. Die Alten benutztendas flaschengrüne und das gelbe Glas mit Vorliebe, um in einemKirchenfenster die Haupttheile der Malerei, wie die Medaillons, abzu-schliessen und einzufassen; der Randstreifen, welcher in jedem Kirchen-fenster als schmale Einfassungslinie dicht am Stein ringsherum läuft,um den Glasteppich gleichmässig von der dunklen Steinwand abzuheben-,dieser Randstreifen, 2 bis 3 cm breit, ist fast stets von weissem, gelb-lichem oder grünlichem, mitunter auch von gelbem Glase. Weisse odergoldige Lichtlinien in einem farbenreichen Glasteppich, geperlt oderungeperlt, mit oder ohne Geleit einer andersfarbigen Linie, sind überallda am Platze, wo man Teppichpartien gleichsam durchschneiden, Ab-schnitte in dem Teppich machen will. Weiss diente, wie auf allenGebieten der Malerei, zur Trennung und Abgrenzung der Farben.
In mustergültigen alten Mosaikfenstern ist auch ein störendesVorspringen oder Zurücktreten einzelner Farben durch vor-sichtige Abwägung sowohl des Helligkeitsgrades als auch der gegen-seitigen Werthigkeit sorgfältig vermieden.
Trotz dem im allgemeinen guten Geschmack der Alten findenwir einige höchst mittelmässige Farbenzusammenstellungen; hier bestichtzuweilen ein einzelner kräftiger Ton durch seine Schönheit und Leucht-kraft das Urthfeil und lässt über die Fehler der Gesammtstimmunghinwegsehen. Es ist eine bekannte Thatsache, dass in der Malerei einmassiger Künstler bei der Darstellung edler Materialien über die künst-lerische Armuth der Arbeit hinwegzutäuschen vermag; dieser intellek-tuelle Einfluss einer naheliegenden Ideen-Association wird noch stärkerbei der wirklichen Verwendung kostbarer Metalle. Ein ähnlicher Missgriffwird vielfach bei der Beurtheilung alter Glasgemälde gemacht. Manhört so oft von der tiefen Farbenpracht und der unübertrefflichen Leucht-kraft der alten Glasfenster, dass man diese Begriffe kaum zu trennen'wagt; besonders vorsichtig muss der Archäologe zu Werke gehen, ermuss sich hüten, dass seine Schwärmerei für das Alte als solches nichtden gesunden ästhetischen Sinn unterdrückt, damit nicht der historischeWerth mit dem künstlerischen verwechselt wird.
Was den Einfluss des persönlichen Farbengeschmackes betrifft, seian die durchaus widersprechenden Urtheile hervorragender Aesthetikeriiber den Werth der Farbenzusammenstellungen eines liafael, Tizian oderPaul Veronese erinnert 1 ); dann wird uns die verschiedene Beurtheilungalter Farbenfenster nicht auffallend erscheinen.
*) Siehe Brücke a. a. O. S. 8.
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