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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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bl eie, obschon der alte Glaser so gut als möglich dieselben durchBorden und Verzierungen auf den Gewändern, durch Umschläge unddurch Falten zu verdecken und zu umgehen, also die Zeichnung vonvornherein so zu gestalten suchte, dass möglichst zahlreiche Umrissbleiedie Nothbleie auf das geringste Mass beschränkten und zugleich diefarbige Abwechselung steigerten. Diese Nothbleie wurden thunlichstunregelmässig gelegt; eine regelmässige Anordnung würde das Auge desBeschauers auf sie ziehen und dadurch störend wirken. Aus demselbenGrunde wurden fortlaufende Bänder niemals in abgemessenen gleichenLängen geschnitten, sondern auch hier ging man willkürlich und ungleich-mässig vor. Einzelne Nothbleie, besonders an Fleischtheilen, sind ganzschmal geschabt, Splitterbrüche in Glasstücken findet man durch auf-getropftes Blei ausgebessert, uns wurden sogar einzelne Fälle bekannt,in welchen man Glasstückchen durch einen Bleispahn mit einander ver-bunden, auch ohne Bleieinfassung eingekittet, eingeklebt oder nuraneinandergefügt hatte. Zusammengelöthete Bleiruthen, welche in ihremKanal ein Holzstäbchen enthielten, wurden zur Stärkung der Felder alsEinfassung des Feldes und auch zwischen Bordüre und Hauptfeld ange-bracht; an den romanischen Fenstern von Nassau, Wimpfen im Thal(Museum Darmstadt) und Lindena konnten wir dieses Verfahren beob-achten und fanden es durch Winston *) bestätigt; erst im 14. Jahrhunderttreten an die Stelle der Holzstäbchen eiserne Stangen, so in Köln undStrassburg. Passten einzelne Glasstücke nicht, so wurden Lücken ebenfallsdurch eine doppelte Bleilage ausgefüllt.

Welch umfangreiches Bleinetz ein Glasgemälde vertragen kann,das beweisen die misshandelten Fenster im Strassburger Münster.

Mit dieser gar zu grossen Zerstückelung der Strassburger Fenster hat es eineeigenartige Bewandtniss; den alten Glasmaler, den ursprünglichen Verfertiger trifftkeine Schuld. Nach einer auf genaue Untersuchungen fussenden Miltheilung Schauen-bu rg s 'J wurden einst Restaurationen an den Fenstern des Strassburger Münstersnach der Anzahl der zu verbleienden Stücke bezahlt. Der oder die Unternehmerschnitten, um möglichst hohen Gewinn zu erzielen, willkürlich darauf los und theiltendie an und für sich kleinen Glasstücke in zahllose, winzig kleine Theilchen. Trotzdieser barbarischen Behandlung hat sich die Schönheit der alten Glasmalereien derKathedrale erhalten. Obschon man mit Sicherheit behaupten kann, dass sie ebensovielBlei wie Glas enthalten, ist man erstaunt über die Leuchtkraft und den Glanz, welchendiese Glasgemälde bewahrt haben. Westlake, dem diese Verstümmelung der Strass-burger Fenster unbekannt zu sein scheint, hat aus der lechnik derselben den Schlussgezogen, als seien sie mehr die V r erke von Glasern als von Glasmalern.

t) An inquiry etc. S. 28. Vünston erzählt von dem Westfenster der St. Giles-kirche Camberwell, welches, deutschen Ursprungs, an jedem einzelnen Felde dieseUmfassung aufwies. An englischen Fenstern hat er diese Beobachtung niemals gemacht.

-) Enumdration des verrieres les plus importantes conservees dans les eglisesdAlsace, par M. le baron de Schauenburg. Caen 1860. Seite 9 und 10.

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