Bosheit diese wichtigen Anleitungen aus der ursprünglichen Handschriftvertilgt habe. Eine solche Handlungsweise wäre wahrlich nicht imSinne des uneigennützigen Theophil gewesen. Es ist übrigens nichtausgeschlossen, dass diese Kapitel zur Belehrung entliehen worden undso verkommen sind.
Kapitel IX. „Vom Ausbreiten der Glastafeln“ (De dilatandis vitreis tabulis)behandelt das Spalten der abgekühlten Glascylinder, das Strecken derselben imStreckofen und die abermalige Abkühlung im Kühlofen.
Kapitel XII. „Von den verschiedenen Farben des Glases (Dediversis vitri coloribus).Auch werden verschiedene Gefässe der-
selben Färbungen gefunden, welche die in dies.er Arbeit höchsterfahrenen Franken zusammenfügen. Diese giessen auch in ihrenOefen Saphir (saphireum — Smalte?) und bereiten, indem sie ein wenighelles und weisses Glas hinzusetzen, saphirne (blaue) Tafeln von Werthund zu Fenstern sehr tauglich (tabulas saphiri pretiosas ac satis utiles infenestris). Sie machen ähnlich auch purpurnes und grünes Glas.“
„Quae colligant Franciinhoc opere peritissimi“: Hier ist doch zu-nächst von Gefassen die Rede; nur beiläufig erwähnt Theophil zumSchluss des Kapitels, dass sie auch werthvolles blaues Tafelglas fürFenster hersteilen, zu welchem Zwecke übrigens Abt Sugerius sich fremdeGlasarbeiter kommen liess. Aus dieser Stelle einen Beweis zu lesen,dass die Franzosen die Erfinder der Glasmalerei gewesen seien, ist zuungereimt, um eine weitläufige Widerlegung zu rechtfertigen.
Im Kapitel XIII erfahren wir, dass man die bemalten und getrocknetenGefässe in den Ofen setzte, in welchem die gemalten Fenster gebranntwerden (in quo fenestrae vitrum pictum coquitur).
Mit Kapitel XVII beginnt Theophilus presbyter seine Belehrungenüber die Glasmalerei, deren Technik sich bis gegen die Mitte des15. Jahrhunderts in den Grundzügen nicht wesentlich veränderte.
Die Arbeit des Glasmalers begann mit der Herrichtung einer ebenenHolztafel von hinreichender Ausdehnung, um zwei Felder eines Fenstersauf derselben bearbeiten zu können; die eine Hälfte blieb für dasspätere Aneinandersetzen der Glasstückchen, für das Verbleien, frei.Die ganze Fläche wurde mit feuchter Kreidemasse gleichmässig über-zogen. Nach dem Trocknen dieser weissen Schicht entwarf der Glas-maler nach Feststellung der genauen Masse die Zeichnung in den Kon-turen. Die verschiedenen Farben, welche er den einzelnen Theilen,den Gewändern usw. zu geben gedachte, deutete er mit Buchstaben an.Auf die Zeichnung seines hölzernen Kartons legte er etwas umfang-reichere, den angegebenen Farben entsprechende Glasstücke und fuhrauf diesen die durchschimmernden Umrisse mit weisser Kreidefarbenach. War ein Glas wegen seiner Dicke oder seiner tiefen Farbe nichthinreichend durchsichtig, so nahm er zuerst ein weisses, zeichnete dieUmrisse auf dieses durch, legte dann das minder durchsichtige, farbige