der in Italien geboren und erzogen wurde. Cicognara vermuthet in ihmeinen Italiener, weil eine Kopie des Theophilus „Tractatus Lombardicus“betitelt ist. Zu Lebzeiten Theophil’s befand sich aber die Kunst inItalien in einem so traurigen Zustande, dass unser Mönch sich seineKenntnisse dort nicht hätte holen können. AVelche Umstände sprechen fürDeutschland? — Zunächst die auch vom Auslande anerkannte Supe-riorität, welche Deutschland sich in Künsten und Wissenschaften unterden Sachsen und Hohenstaufen erworben und bis in die zweite Hälftedes 12. Jahrhunderts bewahrt hatte; erst später, Ende des 12. und im13. Jahrhundert, machen die Franzosen ihnen den Rang streitig. Theophilkonnte als Deutscher in den zahlreichen Klöstern seines eigenen Vater-landes alle Künste sowie die verschiedenen Arten der Technik kennenlernen.
Ausserdem sind sämmtliche bisher bekannten Manuskripte deutschenUrsprunges, wodurch das Vorkommen mehrerer deutschen Worte imlateinischen Text seine Erklärung findet, so lesen wir huso für Hausen( 1 . I, cap. 30), fornis für Firniss ( 1 . I, cap. 21), cerevisia ( 1 . I, cap. 26)für Bier ,,ein deutsches Bindemittel!“ wie Frantz 1 ) bemerkt, ferner meizel( 1 . III, cap. 71). Mit Uebergehungder blonden Haare (lib. I, cap. iou.n)bringen wir nur noch den in mehreren Handschriften beigeschriebenenZusatz: qui et Rugerus (Rüdiger) in Erinnerung, ein durchausdeutscher Name 2 ). Der Name Theophilus ist nur ein angenommenerBeiname, ein Pseudonym 3 ).
Nach llg’s Vermuthung ist Theophilus, der Verfasser der Schedula,der Mönch Rogkerus — in drei Handschriften Rugerus genannt, —welcher zu Ende des 11. und in den ersten Decennien des 12. Jahr-hunderts im Benediktinerkloster Helmershausen an der Diemel in Nieder-Hessen als Goldschmied thätig war. Dieses Kloster, vordem Helm-wardeshuson, war unter Meinwerk von Paderborn diesem Bisthumezugefullen.
l ) Dr. Erich Frantz a. a. O. S. 404, Anm. 3
~) AVackernagel schreibt hierzu a. a. 0 . S. 138, Anin. 116: ,,Die beiden
Handschriften zu AVien und somit auch die Venetianische geben dem Namen Theo-philus noch den Beisatz qui et Rugerus. Man könnte dabei, wenn es die Ver-schiedenheit des Vaterlandes nicht hinderte, an den Rogerus von Reims denken,welcher unter Abt Theodoricus die Fenster zu St. Hubert in den Ardennen anfertigte(1055 —1086) oder, wenn Theophilus’ Stil gebildeter wäre, an den Rutgerus oderRotgerus oder Rogerus, Mönch zu St. Pantaleon zu Köln, und vorher vielleicht zuCorvey, der gleich nach dem Tode Erzbischof Bruno’s 965 dessen Leben geschrieben hat.
3 ) Der demiithige Mönch, welcher sich in einer Abhandlung, die ihm Ruhmverleihen musste, so selbst vergisst, dessen künstlerische Arbeit nur ein Gebet ist, derdemüthige Priester, der sich als unwürdig des Namens und Standes eines Möncheserachtete, hat seine Persönlichkeit unter allegorischer Benennung verborgen. AbbeTexier, Annales archdol. IV, 1846, S. 148. Vergl. auch Ilg u. Frantz a. a. O.
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