sich die Unhaltbarkeit dieser Versuche herausstellte, wird man nacheinbrennbaren Schmelzfarben geforscht haben, wobei die Kunst derTöpfer den Weg wies. (Vergl. die Vorschriften des Heraclius überdie Bereitung einbrennbarer Schmelzfarben.)
Es steht fest, dass unter den Ottonen gegen Ende des io. Jahr-hunderts gerade in Deutschland die schönen Künste wieder aufblühten,und dass nach dem Jahre 1000, nachdem die Angst vor dem allgemeinerwarteten Weltuntergang verschwunden war, überall neue Schaffenslusterwachte; es ist deshalb mit ziemlicher Gewissheit anzunehmen, dassauch die Glasmalerei sich um diese Zeit in den verschiedenen KlösternDeutschlands, Frankreichs und der Schweiz entwickelte undimmer mehr verbreitete.
Wann und wo zuerst die Glasmalerei mit einbrenn-baren Farben auftrat, ist durchaus nicht zu ermitteln.Tegernsee ist nicht, wie viele Schriftsteller annehmen, der Erfindungsortder Glasmalerei, denn gerade der als Beweis hierfür angezogene Briefdes Abtes Gozbert widerlegt diese Behauptung.
Ob die von dem Grafen Arnold dem Kloster Tegernsee geschenktenFenster die Erstlingsarbeiten der Glasmalerei waren, ist sehr fraglich. —Weshalb soll sich unsere Kunst nicht gleichzeitig an verschiedenenOrten selbständig entwickelt haben, vielleicht auch in den kulturellweit vorgeschrittenen Rheinlanden, in deren Gauen sich schon frühstattliche Dome und ansehnliche Gotteshäuser erhoben, oder in denstillen Klöstern Niedersachsens, welches durch kunstsinnige Bischöfeund Aebte ein Hauptsitz der schönen Künste geworden war.
Dagegen steht nichts im Wege, die Tegernseeer Fenster für Glas-• malereien der bekannten, von Theophil beschriebenen Technik zu halten.Wenn man die um einige Jahrhunderte älteren Nachrichten in Betrachtzieht, darf man wohl annehmen, dass sich in der Zwischenzeit bis zumJahre 1000 die Technik so weit vervollkommnete. Ferner wissen wirbestimmt, dass unter Abt Gozbert’s Nachfolger, unter Abt Beringer( I00 3 1012), eine Glashütte in Tegernsee bestand; sodann müssen wir
nach dem lext des Theophilus sowohl, als auch nach der verhältniss-mässig weit vorgeschrittenen Technik der noch vorhandenen, aus derMitte des 11. Jahrhunderts stammenden Denkmäler eine längere Zeitder Uebung voraussetzen.
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