angängig, den Vorzug, der Priorität für Deutschland oder gar für einenbestimmten Ort Deutschlands zu fordern. Sighart, Sepp und anderegehen entschieden zu weit, wenn sie es kurz als eine abgemachte undselbstverständliche Sache hinstellen, dass nicht nur Deutschland,sondern Bayern, und zwar das Kloster Tegernsee, der erste Ursprungsortgewesen sei. Kbensowenig aber können wir zugeben, dass Frankreichsich ohne stichhaltige Beweisgründe das Ursprungsrecht aneignet, oderdass gar deutsche Schriftsteller bedauerlicher Weise ohne hinreichendeBegründung dem Auslande den Preis zuerkennen.
Wenn man denn einmal mit zäher Beharrlichkeit gerade für dieGlasmalerei einen bestimmten Ursprungsort suchen und finden will, —was man bei den andern gleichalterigen Kunstzweigen nicht versucht —dann möge man sich die Frage stellen : Weshalb sollte sich die Glas-malerei, anfangs in ihrer Technik so roh und so einfach, nicht unab-hängig und selbständig an mehreren Plätzen gleichzeitig entwickelthaben: Buch- und Wandmalerei, die Fenstervorhänge, die Wand-
mosaiken sowie die Emaillen mussten in Verbindung mit den jahrhunderte-lang bekannten Glasmosaiken der Fenster die Entwickelung der figür-lichen Glasmalereien aus jenen Anfängen der Kunst begünstigen, jadaraufhindrängen; beim Email bildet Metall, wie bei der Glasmalereidas Blei, die Umrisszeichnung, während die Flächen dort mit farbigemGlasfluss, hier mit farbigen Glasscheiben ausgefüllt werden. Und wirklichsind die ältesten Glasmaler Werinher ’) von Tegernsee und Regin-hard 2 ) von Sazawa gleichzeitig Emailleure, in jeder Art von Glasbild-werk erfahren.
Zunächst mag wohl der Kunstglaser seine durchsichtigen Mosaikenweiter ausgebildet und figürliche Motive angebracht haben; vielleichtbrachte er anfangs die kunstlose Zeichnung mit gewöhnlichen Farbenan 3 ), bis endlich die Kunst der Emailleure und der Töpfer zur Anwen-dung des einbrennbaren Schwarzloth führte.
Frankreich entbehrt vorläufig der thatsächlichen Beweise fürdie Priorität. Der häufig angezogene Satz Theophil’s: Quicquid infenestrarum pretiosa varietate diligit Francia bestätigt lediglich, dassdieser Kunstzweig sich in Frankreich grosser Beliebtheit erfreute. Umdie Zeit Theophil’s begann dort der gothische Stil sich mächtig zuentwickeln mit seinen zahlreichen gewaltigen Fensterflächen, welche dieAnbringung von Glasmalerei zwingend verlangten. Dieselbe Bedeutunggilt bezüglich der Worte Theophil’s: Franci in hoc opere peritissimi,welche sich ausserdem in erster Linie auf Glasgefässe beziehen.
1 ) Pez et Hu eher, Thesaurus anecd. 3, 3, 515.
~) Pelzei et Dobrowsky, Script, rer. Boli. 1, 363.
3 ) Fdlibien, Principes d’architecture. Liv. 1, chap. 21. p. 249.
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