Weise finden wir an keiner Stelle dieser Kunst ausdrücklich und unzwei-deutig Erwähnung gethan, weder in Alkuin’s Schriften, noch bei Egin-hard ; ebensowenig finden wir beim Mönch von St. Gallen oder in denAufzeichnungen des Benediktiner-Abtes Ermoldus Nigellus irgendwelcheAngaben. Nur wissen wir durch Eginhard, dass unter den am kaiser-lichen Hofe thätigen Erzgiessern sich ein Mönch Tanko aus St. Gallenbefand, mit welchem ein fremder Meister, der in aller Metall- und Glas-arbeit vortrefflich war, wetteiferte '). Eine weitere Stelle spricht voneiner Verordnung 2 ) Karl's des Grossen, bei der Ausschmückung derKirchen auch die Fensteröffnungen zu berücksichtigen; ob wir hierjedoch an Eenstermalerei denken dürfen (pictura etiam in luminariis),ist zweifelhaft; es könnte eben so gut die Ausmalung der Laibungengemeint sein. Wackernagel 3 ) vermisst ebenfalls in Karl’s des GrossenCapitulare de villis, das sonst doch allerlei Handwerker des Königs auf-zählt, die Glasarbeiter. Das Breviarium rerum fiscalium verzeichnetzwar Zurüstungen zum Fenstermachen (Est ibi de vitro duae tinaeplenae, de plumbo tabulae III et una massa et calami CLXX) bei einerKirche. Die Mittheilung Begin’s' 4 j, laut welcher die karolingische Kirchezu Metz einige farbige Glasfenster mit Darstellungen besessen habe,welche aus dem 9. Jahrhundert zu stammen schienen, ist eine unerwieseneBehauptung.
Deutschland, Frankreich und die Schweiz streiten sich umdie Ehre der Erfindung. Die von den Vertretern der einzelnen Staatenangeführten Beweisgründe genügen nicht, einem dieser Länder mit unbe-
*) Mo nach. St. Gallen. I, 29; bei Pertz II, S. 744. Erat ibidem aliusopifex, in omni opere aeris et vitri cunctis excellentior.
ä ) Volumus itaque, ut Missi nostri per singitlos pagos praevidere studeant. . .primum de ecclesiis, quomodo structae aut destructae sint, in tectis, in maceriis sivein parietibus, sive in pavimentis, nec non in pictura etiam in luminariis siveofficiis. Capit. Reg. Franc. B. 1, S. 460. — Hier mögen noch zwei weitere StellenPlatz finden, welche wir den Schriftquellen zur Geschichte der Karolingischen Künste(von Julius von Schlosser, Wien 1892) entnehmen. Alcuini Liber de sanctis Ebora-
censis eccl. v. 1506 etc.intus Emicat egregiis laquearibus atque
fenestris; — ferner heisst es in einer allerdings angezweifelten Urkunde Karl’s desGrossen für Fulda zum 22. April 810 .... habeat praedictus abbas (Ratgarius)successoresque ejus potestatem decimas accipiendas propter aedificia perficienda velintercttranda luminariaque ecclesiae renovanda.
8 ) Wackernagel a. a. O. S. 121, Amn. 30.
'*) Begin, E. A., Histoire et description pittoresque de la cathedrale de Metz,des £glises adjacentes et collegiales II. B, Metz 1843 I* 86* Noch vor der
Revolution, im Jahre 1789, bewahrten die Keller des Kapitels eine bedeutendeAnzahl von Glasmalereitafeln, unter diesen drei Rosen mit Darstellungen von sehrmerkwürdigem, symbolischem Charakter. Begin hielt die Darstellungen für eine Ver-bindung orientalischer, indischer Mythologie mit den Ideen der christlichen Lehre.
47