nichts ein als die Helle der wahrhaftigen erleuchtenden Sonne, d. i. desHeilandes, in die Herzen der Gläubigen. Regen, Wind, Schnee undHagel und alles schädliche Unwetter, was gerne in die Kirche ein-dringen möchte, bezieht sich auf die Ketzereien und falschen Lehrendes Geistes, der Lüge und des Zerwürfnisses. Das Stab- und Gitterwerkvor den Fenstern deutet auf die Propheten und sonstigen dunkelnKirchenlehrer der streitenden Kirche. Auch werden die Kisenstangen,Einfassungen und Halter der Fenster auf die weltverpflichtenden (öku-menischen) Kirchenversammlungen gesinnbildert, welche die Schrifthalten, prüfen und auslegen. Das Stabwerk in Stein an den Fensternist zweifach wegen der zwei Gebote der christlichen Lehre, Gott überAlles und den Nächsten wie sich selbst zu lieben, welche beiden Lehren,die ganze Schrift und die vier Evangelien umfassen. Auch sind dieseFensterprediger darum zweitheilig, weil ja auch die Apostel') immer zuZweien in die Welt ausgesandt wurden zu predigen. Die Länge derKirchenfenster bezieht sich auf die Tiefe und Dunkelheit der Schrift,deren Erkenntniss nicht in kurzer Zeit gewonnen wird. Der Fenster-schluss, rund nach römischer Bauweise zeigt, dass die Kirche sichnicht widerspricht, sondern alles Einzelwerk von allen Seiten sich demallgemeinen einigen Glauben anfügt. Der dreieckige Fensterschlussin der deutschen Bauweise macht dieses Bild noch klarer, da sie dasStabwerk einträchtig in sein Masswerk auflöst. Durandus deutet weiter:innerhalb sind die Fenster (nach der römischen Bauweise) breiter alsausserhalb, weil der geheimnissreiche Sinn der Schrift umfassender istals der buchstäbliche. Auch gibt er den Grund an, weshalb die ge-brannten Fenster ausserhalb matt gemacht werden; denn die Fensterbedeuten auch die leiblichen Sinne, die nach aussen matt geschliffenwerden müssen, um nicht die Eitelkeiten der Welt einzulassen und inner-lich für alle geistigen Gaben empfänglich zu sein. Suchte das Mittel-alter zur Zeit eines Durandus, in welcher die deutsche Baukunst ihreEntwickelung nahm, sogar solchen Kleinigkeiten einen geweihten Sinnunterzulegen, wie viel Mühe müssen sie angewandt haben, die edlerenBautheile auf die heilige Schrift zu begründen.“
Eigenartige Auslegungen (1er Symbolik farbiger Kirchenfenstervermittelt uns Wackernagel 2 ) in seinem vorzüglichen, durch zahlreicheSchriftquellen ausgezeichneten Werke über die deutsche Glasmalerei.Danach war das Farbenfenster, das nicht zerbricht, während der Sonnen-
*) Luc. X, i
■) Wilhelm Wacker nagel, Die deutsche Glasmalerei. Ge-schichtlicher Entwurf mit Belegen. Leipzig 1855, S. 42. 45. S. 151. Anm. 206.Zahlreiche Nachweisungen bei Wilh. Grimm zu Konrads von Wtirzburg GoldenerSchmiede S. XXXI und 207. Handschriftliche Sammlung Albrechts des Kolben von1387, Bl. 157.