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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
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Pfosten durch Rundsäulchen gebildet und sind oben beim Uebergang inden Bogen von Kapitalen bekrönt, deren Verzierungen manchmal starkromanisirende Motive aufweisen; bei breitem Fenstern begegnet unsmehrfache Kintheilung, wobei stärkere („alte“) Pfosten die Haupt-eintheilung angeben, während schwächere („junge“) Pfosten diese wiederumzerlegen. Das Masswerk wird durch Kreise, Vielpässe und andere geo-metrische .Formen sowie durch die dazu gehörigen Zwickel gebildet.

Mit dem 14. Jahrhundert zeigt das Stabwerk andere Profilirung;der Säulenschmuck, die Basen und Kapitale an den Pfosten fallen fort;diese schiessen unmittelbar aus der Fensterbank auf, um sich oben indie verschiedenen Formen des Masswerks zu verzweigen. Die Phantasieder Steinmetzen ist unerschöpflich in der Krfindung neuer Zusammen-stellungen. Das reichste derart Geleistete bieten zwei Fenster im Seiten-schiff der Katharinenkirche zu Oppenheim, die ganz mit zierlichemMasswerk iibersponnen sind, und deren eines in der Kunstgeschichte alsdie berühmte Oppenheimer Rose bekannt ist, während das andere unsin seinem Steinwerk den Querschnitt der Kirche selbst mit Hoch- undSeitenschiffen vor Augen führt. Die Spitzen der Drei-, Vier-, und Acht-pässe enden in der reichen Gothik der guten Zeit gerne in einer Blatt-form, die jedoch später wegfallt und den „Nasen,“ kleinen Segmentender Pässe, Platz macht. Seit dem beginnenden 14. Jahrhundert trifftman die Nasen in den Spitzbogen und in den zugehörigen Masswerken.

Bei reichen Bauten steigen über den Spitzbogen der Fenster seitder zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die „AVimperge“ auf, steileGiebeldreiecke, deren häufig von Fialen flankirte Kanten mit „Krabben“oder „Kaubbossen“ besetzt sind, und die oben in einer „Kreuz-blume“ endigen.

Sehr häufig vereinigen sich die Fensterstäbe bereits in der erstenHälfte der Maueröffnung oder sogar mehrere Male zu Kleeblatt- oderSpitzbogen und theilen so die hohen Fenster durch diese sogenanntenBrücken in mehrere Haupttheile; manchmal ist diese Theilung so starkausgesprochen, dass vollständig getrennte Fenster daraus entstehen, soz. B. im Chor des Domes zu Regensburg, in Burgos, in Meaux undanderwärts, oder dass das Masswerk als selbständige Rose über denKangfeldern erscheint, wie in den Kathedralen von Metz und Reims.Unregelmässige Unterbrechungen, Theilung nur einzelner Längsabthei-lungen begegnen uns in den Chorfenstern des Domes zu Mailand, einekleine geschmackvolle Steineintheilung an den untern Feldern des mittlernChorfensters der St. Jakobskirche zu Rothenburg a. d. Tauber. Finesehr merkwürdige, an die Rosen erinnernde Steinausfüllung besitzt dasFenster über dem Portal der Kirche zu Batalha in Portugal; höchstensdas untere Zehntel besteht aus gewöhnlichen Längsfeldern, während derübrige Theil durch reich verschlungenes Masswerk ausgefüllt wird.