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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Viele jener Fensteröffnungen besassen, selbst bis in s 12. Jahr-hundert hinein, gar keinen Verschluss. Otte 1 * ) berichtet, dass in derromanischen Kirche zu Dautphe, Regierungsbezirk Wiesbaden, sich jetztnoch eines der nur 0.6g hohen und 0.17 breiten Fenster im ursprüng-lichen Zustande ohne Verglasung befindet.

Andere Fenster waren mit Holzläden oder mit Holzgittern") ver-schlossen oder verschliessbar, wieder andere wurden mit Tüchern,Teppichen oder mit Vorhängen behängen, um dem Wind und Wetter,sowie dem übermässig hereinfluthenden grellen Sonnenlicht zu wehren.Nur unter solchen Umständen war es möglich, dass eines Tages währendder Predigt in der Kirche des heil. Wolfgang (972994) ein Sturmwindso viel Staub und Nebel durch die offenen Fensterlöcher in die Kirchejagen konnte, dass man bei hellem Tage nichts sehen konnte, und dieLeute erschreckt davonliefen 3 ).

Zu grosse Fensterflächen wurden durch Einsetzen von dünnen,durch symmetrisch angeordnete, runde oder rautenförmige Löcher durch-brochenen Marmor- oder Steinplatten ausgefüllt, deren kleinere (leffnungenman mit Marienglas, mit dünnen, durchscheinenden Marmorplättchen,mit Alabasterscheibchen, mit dünnem Horn, mit geschabtem Leder odermit geöltem Papier verschloss; an Stelle der steinernen traten manchmalHolzplatten zur Aufnahme der durchscheinenden Füllungen; denn schonGregor von Tours spricht von ,,vitro lignis incluso. Selbst noch langeZeit später, als man gleichzeitig Glas zum Verschluss der Fenster inGebrauch nahm, fanden diese Ersatzmittel vielfache Anwendung, wiewir unten sehen werden. Dass diese Art des Fensterverschlusses nichteben besonders reichlich Licht einströmen liess, ist erklärlich; deshalbmag diese mangelhafte Beleuchtung vielleicht zu der angeblichen Stamm-verwandtschaft der WörterFenster undfinster Veranlassung gegebenhaben.

Bemerkenswerthe Beispiele jener alten Art des Fensterverschlussesbewahrte die Abtei von Villers und St. Laurentius vor den MauernRoms, deren Abbildungen wir Van de Velde 4 ) verdanken. In denFenstern der erstem Platten mit je einem grossen runden Loch, währenddie grossen Platten aus St. Laurentius mit zahlreichen runden oderrautenförmigen Löchern versehen sind, welche in ihrer Anwendung anunsere Butzen oder Rautenverglasung erinnern. Aus der letztgenannten

') D. 11 e i n r i c h Otte, Handbuch der kirchlichen Kunst-Archäologie desdeutschen Mittelalters. Leipzig 1883. I. B. S. 88. Anmerkung.

-) S. Hieronym., Cotnmentar. cap. XL 1 . lizech., v. 16.: Kenestrae quoqueerant factae in modum retis, instar cancellorum ut non speculari lapide nec vitro sedlignis interrasilibus et vermiculatis clauderentur.

3 ) Schuegraf, Geschichte des Domes zu Regensburg I. 210.

4 ) M. H. Van de Velde, Les vilraux incolores etc. Anvers 1865. S. 11 11. 12.