bauenden Wirkung der Bilder sprechen'). Wohl nicht ohne Grund wirddie Ausschmückung der Kirchen mit Bildwerken ausdrücklich durch dieSynode von Arras (1025) empfohlen, damit die des Lesens Unkundigendas, was sie geschrieben nicht lesen können, durch Darstellungen derMalerei betrachten sollen 2 ). Das Bild scheint die Seele mehr zu bewegen,als die Schrift. Durch jenes werden die Thatsachen dem Auge vor-gestellt, durch diese gleichsam mittels des Gehörs, welches die Seeleweniger bewegt, in’s Gedächtniss gerufen. ,,Daher beweisen wir auch inder Kirche den Büchern nicht so viel Ehre als den Bildern,“ so belehrtuns Durandus, der Bischof von Mende *). Auf ähnliche Bestimmungenund Aussprüche hervorragender Kirchengelehrten werden wir noch mehr-mals zurückgreifen müssen, wenn wir uns mit den auf unserm Gebieteebenso gut gelittenen wie schlecht verstandenen Schlagwörtern zu be-schäftigen haben.
In richtiger Krkenntniss des doppelten Zweckes der Malerei, nichtnur rein dekorativ, lediglich schmückend, sondern auch beschreibend,belehrend und erzieherisch zu wirken, versahen die frommen Gläubigender ersten Jahrhunderte die "Wände der Katakomben mit sinnigemBilderschmuck. Wandmalereien aus dem Ausgang des ersten Jahrhundertss chmiicken die Coemeterien der 1 lomitilla und Priscilla, sowie vieleandere altchristliche Grabstätten. Mit der beginnenden Freiheit desChristenthums verliessen die christliche Bildnerei und Malerei die ver-borgenen Katakomben und folgten der sich entwickelnden Architekturin die Basiliken. Kunstfertige Hände schmückten bereits in den ältestenchristlichen Kirchen Wände und Decken mit mehr oder weniger reicherMalerei und mit farbenprächtigen Mosaiken. Verhältnissmässig spättritt die Glasmalerei auf als Krzeugniss der christlichen Kunst undgewann erst Bedeutung, als sich das Bediirfniss einstellte, die durchdie Fensteröffnungen in den Wandmalereien entstandenen Lücken ent-sprechend auszufüllen und so in ganz hervorragender Weise zum Schmuckder alten romanischen und gothischen Dome beizutragen. Nachweislich
'J „Quod legentibus scripLura, hoc idiolis praestat pictura cernentibus.“ G r e g o r i iM. Epist. lib. IX. irnl. IV. ep. 9 (Opp. T. IV. p. 399 ed. Antvverp.) — ,,I)um nobisipsa pictura quasi scriptura ad memoriam filii dei reducit, animum nostrum aut deresurreclione laetificat, aut de passione demulcet.“ Ibid. lib. VII. ind. II. ep. 54(p. 271). — „Krangi vero non debuil, quod non ad adorandum in ecclesiis, sed adinstruendns soltunmodo mentes fuit nescientium collocatum.“ I,. c. p. 349.
-) Illiterati, quod per scripluram non possuni intueri, hoc per quaedam picturaelineamenta conteinplantur.
:l ) Guilelmus Durandus (um 1286). Rationale divin. Offic. § 4. —Ferner: Picturae et ornamenta in ecclesia sunt laicortun lectiones et scripturae. —Penestrae ecclesiae vitreae sunt scripturae divinae .... cpiae claritatemveri solis, i. e. Dei, in ecclesiam, i. e. in corda fulelium transmittunt, inhabitantesilluminant. Ration, lib. 1 . cap. I. 24.