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Der Mysticismus.
Ein nicht zu großes Maß von Mystik führt zum Glauben,ein größeres nothwendig zum Aberglauben, und je verworrener,je zerrütteter das Denken ist, umso toller wird die Art des Aber-glaubens sein. In England und Amerika nimmt dieser amhäufigsten die Form des Spiritismus und der Sektenstiftungan. Hysteriker und Gestörte empfangen göttliche Eingebungenund beginnen zu predigen und zu weissagen, oder sie beschwörenGeister herauf und verkehren mit den Todten. Gespenster-geschichten fangen an, im englischen Erzählungsschriftthum einenbreiten Platz einzunehmen und in den englischen Zeitungen dieRolle geläufiger Lückenbüßer zu spielen wie früher in denfestländischen die Seeschlange und der fliegende Holländer. EineGesellschaft hat sich gebildet, die keinen andern Zweck verfolgt,als Gespenstergeschichten zu sammeln und sie auf ihre Wirk-lichkeit zu prüfen, und selbst Gelehrte von Nus sind vomSchwindel des Uebernatürlichen erfaßt worden und lassen sichals Gewährsmänner der albernsten Verirrungen mißbrauchen.
Auch in Deutschland hat der Spiritismus Eingang gefun-den, doch bisher im Ganzen nicht viel Boden gewonnen. Inden Großstädten mag es enge spiritistische Gemeinden geben,einzelnen Gestörten ist der englische Fachausdruck „trnnoo"so geläufig geworden, daß sie ihn als „Trans" ins Deutscheherübergenommen haben, wahrscheinlich mit der volksetymologi-schen Vorstellung, daß er „Jenseits" bedeute, während er inWirklichkeit das englische Wort für „Verzückung" ist, das heißtfür den Zustand, in welchem sich nach der Annahme der Spi-ritisten das Medium befinden soll, wenn es mit der Geisterweltin Verbindung tritt, — aber auf unser Schriftthum hat derSpiritismus noch wenig Einfluß geübt. Wenn man von denletzten kindisch gewordenen Romantikern, namentlich den Dich-tern der Schicksalstragödien, absieht, haben wenige Schriftstel-ler es gewagt, das Uebernatürliche anders als sinnbildlich inihre Schöpfungen Hineinspielen zu lassen. Höchstens bei Kleist