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Der Mysticismus.
ist eine durchaus widernatürliche Handlung für ein reineKMädchen wie für ein Kind."
Weiterhin entwickelt Pozdnyscheff folgende delirirende Theorievom Lebensgesetz: „Der Zweck des Menschen wie der ganzenMenschheit ist das Glück. Um es zu erreichen, ist ihm einGesetz gegeben, das er zu befolgen hat. Dieses Gesetz bestehtin der Bereinigung der Einzelwesen, welche die Menschheit bil-den. Die Leidenschaften allein verhindern diese Vereinigung,namentlich die stärkste und schlimmste von allen, die sinnlicheLiebe, die Wollust. Wenn man die Leidenschaften, besondersdie heftigste, die sinnliche Liebe, unterdrückt haben wird, dannwird die Vereinigung eine Wirklichkeit sein nnd die Menschheit,die ihr Ziel erreicht haben wird, hat dann keinen Grund mehr,zu bestehen." Und seine letzten Worte sind: „Man muß ver-stehen, daß der Vers Matthäi: Wer ein Weib ansiehet, ihrerzu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen, sich eben-so auf die Schwester und nicht blos auf das fremde Weib,sondern auch und ganz besonders auf die eigene Gattin bezieht."
Tolstoi, in dem, wie in jedem höhern Entarteten, zweiMenschen leben, von denen der eine die Tollheiten des andernbemerkt und beurtheilt, hat in der „Kreutzersonate" noch diedeutliche Empfindung des Unsinnigen seiner Theorie und er-läßt deren Verkünder Pozdnyscheff andeuten ^), daß er „für-verrückt gelte." Aber in seiner „Kurzen Darlegung", woTolstoi in seinem eigenen Namen spricht, entwickelt er, wennauch mit etwas mehr Vorbehalten, dieselbe Lehre-): „DieVerlockung wider das zweite Gebot kommt aus dem, daß w:rglauben, das Weib sei geschaffen für die fleischliche Lust unddaß, so man eine Frau lasse und die andere nehme, man mehrLust habe. Nicht in diese Versuchung zu fallen, muß maneingedenk sein, daß nicht das der Wille des Vaters ist, daß
l.g, Lonatö ä, LrbntLS!', S. 119.
^ Kurze Darlegung des Evangelium, S. 140.