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1 (1892)
Entstehung
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Der Myslicismus.

fängt mit den Kellnern Krakehl an, dringt in den reichstenSaal des Gasthofs ein, verscheucht die übrigen Gäste, die nichtmit dem Straßensänger zusammen soupiren wollen, und kümmertsich während dieser ganzen Zeit nicht um die Empfindungenseines Gastes, der auf glühenden Kohlen sitzt, am liebsten inden Boden versinken möchte und erst wieder aufathmet, alsihn der fürchterliche Wohlthäter aus seinen Fängen ent-wischen läßt.

Hat Nechljudow Nächstenliebe geübt? Nein. Er hat demSänger nichts Angenehmes erwiesen. Er hat ihn gequält.Er hat sich allein befriedigt. Er hat sich an den hartherzigenEngländern, auf die er wüthend war, rächen gewollt und erhat es auf Kosten des armen Teufels gethan. Nechljudownennt es ein unerhörtes Ereigniß, daß die reichen Engländerdem Sänger nichts schenkten, aber was er diesem anthut, istschlimmer. Die abscheuliche Knickerei der Engländer hat denSänger vielleicht eine Viertelstunde lang verdrossen, Nechljudowsthörichte Bewirthung hat ihn eine Stunde lang gefoltert. DerFürst hat sich nie die Mühe genommen, auch nur einen Augenblicklang zu prüfen, was dem Sänger angenehm und nützlich wäre,er hat immer nur an sich, an seine eigenen Emotionen, seinenZorn, seine Entrüstung gedacht. Dieser weichherzige Menschen-freund ist ein gefährlicher, ruchloser Selbstling.

Die urtheilsbare Nächstenliebe des emotiven Mystikersverfehlt nothwendig ihren angeblichen Zweck, weil sie nichtvon der Erkenntniß der wirklichen Bedürfnisse des Nächstenausgeht. Der Mystiker übt empfindsamen Anthropomorphis-mus. Er überträgt seine eigene Gefühlsweise ohne Weiteresauf andere Wesen, die von ihm ganz verschieden empfinden.Er ist im Stande, die Maulwürfe bitter zu beklagen, weil sieverurtheilt sind, in ihren unterirdischen Gängen in ewigerFinsterniß zu brüten, und träumt vielleicht mit Thränen im Augedie elektrische Beleuchtung ihres Baues. Da er, der Sehende, unter