Der Mystizismus.
159
nannten sich selbst „die Hydropathen-', ein vollkommen sinn-loses Wort, das offenbar ans einer unklaren Erinnerung andie beiden Worte „Hydrotherapie" und „Nevropathen" ent-standen ist und mit der für das mystische Denken der Schwach-sinnigen bezeichnenden Verschwommenheit wohl nur die allge-meine Vorstellung von Leuten ausdrücken sollte, deren Gesund-heit nicht zufriedenstellend ist, die leiden und sich behandeln lassen.Jedenfalls klingt aus dem selbstgewählten Namen ein dunklesBewußtsein und Eingeständniß zerrütteten Nervenlebens her-vor. Die Gruppe besaß auch ein Wochenblättchen, „Initooo",das nach wenigen Nummern einging.
Gegen 1884 verließ die Gesellschaft ihre zeitherige Stamm-kneipe und schlug ihr Zelt im Cafs „I^rnnoois I.", BoulevardSt. Michel, auf. Dieses Cafo ist zu hohem Ruhm gelangt.Es war die Wiege des Symbolismus. Es ist noch immerder Tempel einiger ehrgeiziger Jünglinge, die durch Anschlußan die symbolistische Schule die Förderung zu erlangen hoffen,welche sie von ihrer eigenen Begabung nicht zu erwartenhaben. Es ist auch die Kaaba, zu der alle ausländischenSchwachköpfe wallfahren, die von der neuen Pariser Richtunggehört haben und in ihre Lehren und Geheimnisse eingeweihtwerden wollen. Einige der Hydropathen machten die Übersie-delung nicht mit. Ihren Platz nahmen frische Zuzügler ein:Jean Moreas, Laurent Tailhade, Charles Morice u. s. w.Sie legten auch den alten Namen ab und waren eine kurzeZeit unter der Bezeichnung „äooaäonts" bekannt. Diese warihnen von einem Kritiker in der Absicht der Verhöhnung ange-hängt worden, aber wie die Gueusen der Niederlande den Namen,der sie beschimpfen und verspotten sollte, stolz und trotzig sichselbst beilegten, so steckten auch sie die Beleidigung, die ihnen ins
') Eine Geschichte der Anfänge dieser Gruppe hat eins ihrer Mit-glieder, Mathias Morhardt, geschrieben. Siche: „Hes Lxinboligues«,dionvells Hsvus vom l5. Februar l8S2. Seite 765.